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Laser Tattooentfernung
"Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Harald Terpe, Kordula Schulz-Asche, Nicole Maisch, Maria Klein-Schmeink, Elisabeth Scharfenberg, Dr. Franziska Brantner, Katja Dörner, Kai Gehring, Ulle Schauws, Tabea Rößner, Doris Wagner, Beate Walter-Rosenheimer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an die Deutsche Bundesregierung:         Deutscher Bundestag 18. Wahlperiode   Drucksache 18/10304 vom 09.11.2016  Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt!   Gegenwärtig werden sehr leistungsfähige Laser- und IPL (Intense Pulse Light) -Geräte insbesondere zur Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen und Tattoos verwendet. Diese Behandlungen, die rein kosmetischen Zwecken dienen, werden auch durch medizinische Laien insbesondere in Kosmetik- und Tattoostudios angeboten. Dabei sind derartige Anwendungen nicht ohne medizinische Risiken. So wies etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung 2015 auf mögliche Zellschäden durch die Laser-Entfernung von Tattoo-Pigmenten hin (Pressemitteilung Nr. 21/2015 vom 13. August 2015). Auch das Bundesamt für Strahlenschutz machte auf mögliche gesundheitliche Risiken bei der Verwendung dieser Geräte aufmerksam: http://www.bfs.de/DE/themen/opt/laser/anwendung/medizin/medizin.html Berichtet werden darüber hinaus schwere Verbrennungen oder Narbenbildungen als mögliche Folgen einer nicht sachkundigen Anwendung der Geräte (DermaForum Nr. 7/8 2016). Auch die Diagnose oder Therapie von Hautkrebserkrankungen könne durch die nicht sachkundige Entfernung zum Beispiel von Muttermalen und Pigmentstörungen verzögert oder gar verhindert werden. Unklar ist insbesondere auch, ob die Patientinnen und Patienten bzw. die Verbraucherinnen und Verbraucher über diese Risiken der Behandlung hinreichend aufgeklärt werden.   Wir fragen die Bundesregierung: 1. Welches sind nach Kenntnis der Bundesregierung die häufigsten dermatologischen Anwendungsfelder für Laser- und IPL (Intense Pulse Light)-Geräte? 2. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der jährlich unter Verwendung von Lasergeräten entfernten Tattoos? 3. Inwieweit sieht die Bundesregierung mögliche Gesundheitsgefahren durch die Entfernung von Tattoos mittels Laser, insbesondere bei nicht fachgerechter Handhabung der Geräte? 4. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der medizinischen Komplikationen bei der Nutzung von Laser- oder IPL-Geräten durch medizinische Laien im Rahmen von kosmetischen Behandlungen (zum Beispiel Entfernung von Tattoos von Pigmentstörungen)? Vorabfassung - wird durch die lektorierte Version ersetzt. Drucksache 18/10304 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode 5. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der medizinischen Komplikationen bei der Laser-Entfernung von Muttermalen durch medizinische Laien? 6. Durch wen werden derzeit nach Kenntnis der Bundesregierung Laser- oder IPL-Geräte zur Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen sowie Tattoos verwendet? 7. Wie bewertet die Bundesregierung das Angebot zur Laser-Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen und Tattoos durch medizinische Laien unter dem Aspekt des Patienten- und Verbraucherschutzes? 8. a) Welche Qualifikationen und Qualifikationsnachweise sind jeweils zur Laser-Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen und Tattoos im Rahmen von kosmetischen Behandlungen notwendig? b) Inwieweit sind medizinische Kenntnisse zur kosmetischen Laser-Entfernung insbesondere von Muttermalen und Pigmentstörungen notwendig? 9. Inwieweit wird nach Kenntnis der Bundesregierung vor einer Laser-Entfernung von Muttermalen und Pigmentstörungen durch medizinische Laien eine ärztliche Beratung und Begutachtung durchgeführt und ist diese aus Sicht der Bundesregierung notwendig? 10. Unterliegen die zur Entfernung von Tattoos, Muttermalen oder Pigmentstö- rungen a) im Kosmetikstudio benutzten Geräte dem Medizinproduktegesetz oder dem Produktsicherheitsgesetz? b) in der Arztpraxis benutzten Geräte dem Medizinproduktegesetz oder dem Produktsicherheitsgesetz? 11. Welche rechtlichen und praktischen Konsequenzen für den Umgang mit diesen Geräten hat die jeweilige Einstufung nach dem Medizinproduktegesetz bzw. nach dem Produktsicherheitsgesetz? 12. Inwieweit reichen die Anforderungen im Hinblick auf Fach- und Sachkunde an die an den entsprechenden Geräten tätigen Personen aus Sicht der Bundesregierung aus? 13. Inwieweit werden nach Kenntnis der Bundesregierung Laser- und IPL-Geräte als Medizinprodukte reguliert? 14. Welche Möglichkeiten haben Verbraucherinnen und Verbraucher bzw. Patientinnen und Patienten, sich unabhängig und neutral über mögliche Risiken einer Entfernung von Tattoos, Pigmentstörungen und Muttermalen mittels Laser zu informieren? 15. Inwieweit werden die Verbraucherinnen und Verbraucher durch die jeweiligen Anbieter nach Kenntnis der Bundesregierung über die möglichen Gesundheitsrisiken einer Anwendung von Laser- und IPL-Geräten im Rahmen einer kosmetischen Behandlung aufgeklärt? Berlin, den 8. November 2016 Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion"   Zitat/ Quelle: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/103/1810304.pdf     Was ist eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung? Als Kleine Anfrage bezeichnet man eine auf wenige Punkte begrenzte Fragestellung eines Parlamentariers an die Exekutive, beispielsweise eines Bundestagsabgeordneten an die Regierung. Sie ist ein Instrument der parlamentarischen Kontrolle. In deutschen Parlamenten kommen Kleine Anfragen im Bundestag und in den Landesparlamenten vor, die an die jeweilige Bundes- oder Landesregierung gerichtet sind. Die Fristen für die Beantwortung durch die Regierung liegen zwischen acht Tagen (Hamburg) und sechs Wochen (Hessen), wobei in der Regel keine aufwendigen Recherchen durchgeführt werden. Die Antworten beruhen auf den Fakten, die der Regierung aktuell vorliegen. Kleine Anfragen sind hauptsächlich ein Instrument der Opposition, die damit auch die jeweilige Regierung kontrollieren will; oftmals fordert sie Rechenschaft über bestimmte Handlungen, oder sie will Begründungen, warum bestimmte Maßnahmen nicht ergriffen wurden. Außerdem kann sie so Partikularinteressen ihrer Wählerschaft zum Ausdruck bringen, was vordergründig aus wahltaktischen Motiven geschieht. Die Große Anfrage ist umfangreicher, fordert eine ausführlichere Antwort und muss oft durch eine Fraktion beantragt werden.   Zitat/ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_Anfrage_(Deutschland)   Die Antwort der Bundesregierung auf die "Kleine Anfrage" von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN  finden Sie hier als Zitat (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/105/1810537.pdf)   Deutscher Bundestag Drucksache 18/10537 18. Wahlperiode 01.12.2016 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Harald Terpe, Kordula Schulz-Asche, Nicole Maisch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/10304 – Patientensicherheit, mögliche Gesundheitsrisiken und Aufklärung bei der Nutzung von Lasergeräten zur kosmetischen Anwendung   V o r b e m e r k u n g  d e r F r a g e s t e l l e r Gegenwärtig werden sehr leistungsfähige Laser- und IPL-Geräte (IPL: Intense Pulse Light) insbesondere zur Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen und Tattoos verwendet. Diese Behandlungen, die rein kosmetischen Zwecken dienen, werden auch durch medizinische Laien insbesondere in Kosmetik- und Tattoostudios angeboten. Dabei sind derartige Anwendungen nicht ohne medizinische Risiken. So wies etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung im Jahr 2015 auf mögliche Zellschäden durch die Laser-Entfernung von Tattoo-Pigmenten hin (Pressemitteilung Nr. 21/2015 vom 13. August 2015). Auch das Bundesamt für Strahlenschutz machte auf mögliche gesundheitliche Risiken bei der Verwendung dieser Geräte aufmerksam (www.bfs.de/DE/ themen/opt/laser/anwendung/medizin/medizin_node.html). Berichtet werden darüber hinaus schwere Verbrennungen oder Narbenbildungen als mögliche Folgen einer nicht sachkundigen Anwendung der Geräte (DermaForum Nr. 7/8 2016). Auch die Diagnose oder Therapie von Hautkrebserkrankungen könne durch die nicht sachkundige Entfernung zum Beispiel von Muttermalen und Pigmentstörungen verzögert oder gar verhindert werden. Unklar ist insbesondere auch, ob die Patientinnen und Patienten bzw. die Verbraucherinnen und Verbraucher über diese Risiken der Behandlung hinreichend aufgeklärt werden.   1. Welches sind nach Kenntnis der Bundesregierung die häufigsten dermatologischen Anwendungsfelder für Laser- und IPL-Geräte? In der Dermatologie werden Laser insbesondere zur Behandlung und Entfernung oberflächlicher Missbildungen oder Läsionen des Gefäßsystems wie z. B. sogenannte Feuermale oder Besenreiser sowie zum Abtragen von Narbengewebe oder zur Faltenminderung eingesetzt. Zunehmend werden Laser zur Entfernung von Tätowierungen verwendet. Ein relevantes Einsatzgebiet im kosmetischen Bereich sowohl für Laser als auch für IPL-Geräte ist die lang anhaltende Entfernung unerwünschten Haarwuchses (Epilation).   2. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der jährlich unter Verwendung von Lasergeräten entfernten Tattoos? Der Bundesregierung liegen keine Zahlen bezüglich der jährlich unter Verwendung von Lasergeräten entfernten Tattoos vor. Diese Art der Anwendung unterliegt keiner Registrierung.   3. Inwieweit sieht die Bundesregierung mögliche Gesundheitsgefahren durch die Entfernung von Tattoos mittels Laser, insbesondere bei nicht fachgerechter Handhabung der Geräte? Für die Entfernung von Tattoos werden Laser der höchsten Risikoklassen eingesetzt. Bei nicht fachgerechter Handhabung der Geräte bestehen Risiken für die Haut und die Augen. Da bei dieser Anwendung mit Wellenlängen optischer Strahlung gearbeitet wird, die im Auge die Netzhaut erreichen, sind bei nicht fachgerechter Handhabung und mangelndem Augenschutz bleibende Schäden an der Retina möglich. An der Haut steht die Gefahr für Verbrennungen, unter Umständen mit bleibender Narbenbildung, im Vordergrund. Abhängig von der Art des Lasers können bei der Zersetzung organischer Pigmente aus Tattoos unterschiedliche toxische Verbindungen entstehen. Welche Verbindungen jeweils in welchem Umfang entstehen und ob diese Spaltprodukte ein Gesundheitsrisiko darstellen, ist Gegenstand toxikologischer Untersuchungen.   4. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der medizinischen Komplikationen bei der Nutzung von Laser- oder IPL-Geräten durch medizinische Laien im Rahmen von kosmetischen Behandlungen (zum Beispiel Entfernung von Tattoos von Pigmentstörungen)? Auftretende Komplikationen bei der Nutzung von Laser- oder IPL-Geräten durch medizinische Laien im Rahmen von kosmetischen Behandlungen werden nicht systematisch erfasst. Im Rahmen der Ressortforschung des Bundesumweltministeriums wird derzeit eine deutschlandweite repräsentative Umfrage zu Nebenwirkungen bei Anwendungen optischer Strahlung in der Kosmetik durchgeführt. Ergebnisse der Umfrage sind im März 2017 zu erwarten.   5. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Zahl der medizinischen Komplikationen bei der Laser-Entfernung von Muttermalen durch medizinische Laien? Der Bundesregierung liegen keine Informationen über die Zahl der von Laien durchgeführten Entfernungen von Muttermalen mittels Lasern oder über die Zahl dabei auftretender Komplikationen vor.   6. Durch wen werden derzeit nach Kenntnis der Bundesregierung Laser- oder IPL-Geräte zur Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen sowie Tattoos verwendet? Nach Kenntnis der Bundesregierung werden Laser- oder IPL-Geräte sowohl von Ärzten/Ärztinnen als auch von Fachkosmetiker/innen mit oder ohne fachärztliche Aufsicht und auch von Personen ohne eine vergleichbare Ausbildung verwendet. Viele Kosmetikstudios beschränken sich auf bestimmte Anwendungen wie die Epilation mit IPL-Geräten. Nach geltender Rechtslage ist jedoch auch die Behandlung von Muttermalen, Pigmentstörungen oder die Entfernung von Tattoos durch Personen ohne medizinische Ausbildung möglich. Insbesondere die Entfernung von Tattoos wird in manchen Tattoostudios angeboten.   7. Wie bewertet die Bundesregierung das Angebot zur Laser-Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen und Tattoos durch medizinische Laien unter dem Aspekt des Patienten- und Verbraucherschutzes? Auf die Antworten zu den Fragen 8a und 8b sowie 14 wird verwiesen.   8. a) Welche Qualifikationen und Qualifikationsnachweise sind jeweils zur Laser-Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen und Tattoos im Rahmen von kosmetischen Behandlungen notwendig? Bei der Arbeit mit leistungsstarken Lasern der Klassen 3B und 4, wie sie für die hier genannten Anwendungen erforderlich sind, sind die einschlägigen Vorschriften des Arbeits- und Unfallschutzes einzuhalten, z. B. Laserschutzkurse, Laserschutzbeauftragter. Es gilt die Arbeitsschutzverordnung zu künstlicher optischer Strahlung (OStrV). Spezifische Qualifikationen und Qualifikationsnachweise zur Entfernung von Muttermalen, Pigmentstörungen und Tattoos mittels Lasern im Rahmen von kosmetischen Behandlungen sind nicht vorgeschrieben. Notwendig im Sinne des Verbraucherschutzes sind aus Sicht der Bundesregierung solide anwendungsspezifische Fachkenntnisse und praktische Erfahrung (siehe auch Antwort zu Frage 12). b) Inwieweit sind medizinische Kenntnisse zur kosmetischen Laser-Entfernung insbesondere von Muttermalen und Pigmentstörungen notwendig? Insbesondere bei der Behandlung pigmentierter Hautveränderungen sind medizinische Fachkenntnisse und Erfahrung in der Diagnose von Hautkrebs fachlich eigentlich erforderlich (aber derzeit nicht vorgeschrieben), um die unsachgemäße „Anbehandlung“ eines malignen Melanoms auszuschließen. Es muss auch beurteilt werden können, ob für die Entfernung des Muttermals oder der Pigmentstö- rung der Laser überhaupt das geeignete Mittel ist oder andere Methoden wie z. B. die klassische Exzision sinnvoller sind.   9. Inwieweit wird nach Kenntnis der Bundesregierung vor einer Laser-Entfernung von Muttermalen und Pigmentstörungen durch medizinische Laien eine ärztliche Beratung und Begutachtung durchgeführt, und ist diese aus Sicht der Bundesregierung notwendig? Informationen darüber, inwieweit bei einer Entfernung von Muttermalen und Pigmentstörungen durch Laien mittels Laser vorab eine ärztliche Beratung und Begutachtung durchgeführt wird, liegen der Bundesregierung nicht vor (siehe auch Antwort zu Frage 5). Aus Sicht der Bundesregierung ist eine solche Beratung und Begutachtung vor der Behandlung pigmentierter Hautveränderungen mit Lasern oder IPL-Geräten medizinisch notwendig (siehe auch Antwort zu Frage 8b).    10. Unterliegen die zur Entfernung von Tattoos, Muttermalen oder Pigmentstörungen a) im Kosmetikstudio benutzten Geräte dem Medizinproduktegesetz oder dem Produktsicherheitsgesetz, b) in der Arztpraxis benutzten Geräte dem Medizinproduktegesetz oder dem Produktsicherheitsgesetz? Gemäß der Legaldefinition in § 3 Nummer 1 des Medizinproduktegesetzes (MPG), die auf der europäischen Richtlinie 93/42/EWG über Medizinprodukte des Rates vom 14. Juni 1993 beruht, ist ein Produkt als Medizinprodukt einzustufen, wenn es vom Hersteller zur Anwendung für Menschen zum Zwecke a) der Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten, b) der Erkennung, Überwachung, Behandlung, Linderung oder Kompensierung von Verletzungen oder Behinderungen, c) der Untersuchung, der Ersetzung oder der Veränderung des anatomischen Aufbaus oder eines physiologischen Vorgangs oder d) der Empfängnisregelung bestimmt ist und seine bestimmungsgemäße Hauptwirkung nicht pharmakologischer bzw. immunologischer Natur ist oder durch Metabolismus erreicht wird. Im Zusammenhang mit der Auslegung des unter Buchstabe c aufgeführten Zwecks „Untersuchung eines physiologischen Vorgangs“ hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass ein Gegenstand nur dann unter den Begriff „Medizinprodukt“ fällt, wenn er vom Hersteller für einen medizinischen Zweck bestimmt ist (EuGH, Urteil vom 22. November 2012, RS C-219/11). Das Medizinproduktegesetz (MPG) ist gegenüber dem Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) die speziellere Rechtsvorschrift. Daher ist zunächst zu prüfen, ob das jeweilige Gerät in den Anwendungsbereich des MPG fällt. Ist dies der Fall, kommt das ProdSG nicht zur Anwendung (vgl. § 1 Absatz 3 Nummer 5 ProdSG). Fällt es hingegen nicht in den Anwendungsbereich des MPG, unterliegt es dem ProdSG. Die Unterscheidung, ob die genannten Geräte in einem Kosmetikstudio oder in einer Arztpraxis angewendet werden, hat keinen Einfluss auf die rechtliche Produkteinstufung. Die rechtliche Einordnung eines Laser- oder IPL-Gerätes hängt vielmehr davon ab, mit welcher Zweckbestimmung es vom Hersteller in den Verkehr gebracht wird.   11. Welche rechtlichen und praktischen Konsequenzen für den Umgang mit diesen Geräten hat die jeweilige Einstufung nach dem Medizinproduktegesetz bzw. nach dem Produktsicherheitsgesetz? Nur wenn ein Gerät als Medizinprodukt im Sinne des MPG einzustufen ist, gilt für dessen gewerbliche bzw. professionelle Anwendung zu medizinischen Zwecken die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV). Danach wird unter anderem verlangt, dass Medizinprodukte nur von Personen errichtet, betrieben, angewendet und in Stand gehalten werden dürfen, die die dafür erforderliche Ausbildung oder Kenntnis und Erfahrung besitzen (§ 2 Absatz 2 MPBetreibV). Die Medizinprodukte-Betreiberverordnung findet gemäß § 2 Absatz 2 in Verbindung mit § 14 Satz 1 MPG auch Anwendung auf Laser- und IPL–Geräte, die nicht als Medizinprodukte in Verkehr gebracht wurden, aber mit der Zweckbestimmung eines Medizinproduktes im Sinne der Anlage 1 der Medizinprodukte-Betreiberverordnung eingesetzt werden. Das ProdSG regelt die Bereitstellung von Produkten auf dem Markt. Es adressiert seine Pflichten daher ausschließlich an die Wirtschaftsakteure Hersteller, deren Bevollmächtigte, Importeure und Händler. Vorschriften, die sich an die späteren Benutzer der Produkte richten, trifft das ProdSG hingegen nicht und können auf der Grundlage des ProdSG auch nicht getroffen werden.   12. Inwieweit reichen die Anforderungen im Hinblick auf Fach- und Sachkunde an die an den entsprechenden Geräten tätigen Personen aus Sicht der Bundesregierung aus? Die Bundesregierung sieht es als erforderlich an, die anwendungsspezifischen Anforderungen im Hinblick auf Fach- und Sachkunde der Personen, die Laser und andere optische Strahlungsquellen zu kosmetischen Zwecken am Menschen einsetzen, gemäß § 5 des Gesetzes zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSG) zu konkretisieren. Dies umfasst unter anderem fundierte Kenntnisse über die Wirkungen optischer Strahlung, Wahl und Handhabung der eingesetzten Strahlenquellen, das Erkennen von Fehleinstellungen oder Gerätedefekten sowie theoretische und praktische Fähigkeiten zur Beurteilung der für die Festlegung der Behandlungsparameter relevanten Bedingungen der Haut, insbesondere jedoch Fähigkeiten zum Erkennen von Risiken und von Ausschlusskriterien im individuellen Behandlungsfall. Dies entspricht einer Empfehlung der Strahlenschutzkommission zum Thema „Gefährdungspotential bei der Anwendung von Lasern und anderen optischen Strahlungsquellen an der menschlichen Haut“, die am 11./12. Februar 2016 verabschiedet wurde.    13. Inwieweit werden nach Kenntnis der Bundesregierung Laser- und IPL-Geräte als Medizinprodukte reguliert? Auf die Antwort zu Frage 10 wird verwiesen.   14. Welche Möglichkeiten haben Verbraucherinnen und Verbraucher bzw. Patientinnen und Patienten, sich unabhängig und neutral über mögliche Risiken einer Entfernung von Tattoos, Pigmentstörungen und Muttermalen mittels Laser zu informieren? Im Hinblick auf mögliche Risiken der Tattooentfernung mittels Laser stehen Verbraucherinnen und Verbrauchern unabhängige wissenschaftliche Informationen zur Verfügung, die das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Rahmen der Risikokommunikation veröffentlicht hat (www.bfr.bund.de). Weiter werden mögliche Risiken, die von einer Entfernung von Tattoos (einschließlich Laserentfernung) ausgehen können, im Rahmen der Informationsmaßnahme des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu Tätowierungen thematisiert (www.safer-tattoo.de).   15. Inwieweit werden die Verbraucherinnen und Verbraucher durch die jeweiligen Anbieter nach Kenntnis der Bundesregierung über die möglichen Gesundheitsrisiken einer Anwendung von Laser- und IPL-Geräten im Rahmen einer kosmetischen Behandlung aufgeklärt? Der Bundesregierung liegen keine belastbaren Informationen vor.   .
Dr med Hans Oliver Weber Copyright 2016
Dr. med. Oliver Weber aus Nürnberg behandelt seit ca 8 Jahren zunächst in anderen Laserzentren und seit 2012 im eigenen Hautarzt- und Laserzentrum Noris Dermatologie verschiedenste Arten von Tätowierungen mit unterschiedlichen Lasersystemen. Über seine Erfahrungen im Umgang mit diesen Lasersystemen und die jüngsten Entwicklungen zu Tattoos, der Laser-Dermatologie und der wachsende Nachfrage in der Laserbehandlung sprach Dr. Weber mit DocTattooentfernung.     1. Herr Dr. Weber, bitte stellen Sie sich und Noris Dermatologie Nürnberg in kurzen Sätzen vor. Die Noris Dermatologie ist ein großes Hautarzt- und Laserzentrum mit besonderer Expertise im Bereich ästhetischer Laserbehandlungen (Rosacea, Besenreiser, Narben, störende Hautveränderungen, Tattooentfernung). Seit kurzem verfügen wir über den Picoway Laser, einen Pikosekunden Laser der neuesten Generation zur Entfernung von Tattoos.       2. Die Tätowierung und das Permanent Make-up ist in unserer westlichen Gesellschaft heutzutage nicht mehr wegzudenken. Wie ist Ihre persönliche Einstellung gegenüber den allerorts gezeigten Hautverzierungen? Haben Sie eventuell selbst eine Tätowierung oder würden Sie sich eine stechen lassen? Tätowierungen sind natürlich immer Geschmackssache. Dabei sind die Motive der Tätowierungen sehr unterschiedlich. Eindrucksvoll sind etwa Tattoos ehemaliger Angehöriger der französischen Fremdenlegion oder Yakusas. Hier in Nürnberg trägt manch Fußballfan voller Stolz das Symbol unseres „Clubs“. Es stellen sich auch viele Patienten mit „Jugendsünden“ vor, z.B. unter Einfluß von Alkohol wird da schon mal der Name der Exfreundin tätowiert, dann leider auch noch unter Weglassen einzelner Buchstaben… Der Wunsch, derartige Tattoofehler zu entfernen ist dann sehr gut verständlich (wobei ich das Club-Tattoo nicht als Fehler im eigentlichen Sinne sehe ;-) Wir haben auch viele Nachfragen von jungen Leuten, die bei der Bundeswehr oder bei der Polizei anfangen und daher ihre Tattoos möglichst schnell entfernen lassen möchten. Ein generelles Problem ist, dass sich Farbe und Form von Tattoos -dem Gesetz der Schwerkraft folgend- im Laufe des Lebens stark verändern können.   3. Würden Sie unseren Lesern bitte erläutern, wie die Behandlung mit dem Laser in Ihrer Praxis typischerweise abläuft, wenn sich ein Patient ein Tattoo entfernen lassen möchte? Welches ist Ihr bevorzugtes Lasersystem? Wir setzen seit kurzem das System Picoway der Firma Syneron Candela ein. Es handelt sich um einen besonders leistungsstarken und variablen Pikosekunden-Laser. Seine verschiedenen Wellenlängen und kurzen Impulsbreiten machen es möglich jegliche Farben zu behandeln. Für eine vollständige Tattooentfernung sind bei diesem System verhältnismäßig wenig Behandlungen notwendig, auch wenn die Anzahl der notwendigen Sitzungen schwer vorherzusehen ist. In der Regel benötigt man zwischen 4-8 Sitzungen, je nach Tattoo-Farbe. Das ist ca. die Hälfte, die mit bisherigen Systemen nötig waren. Eine Sitzung dauert, aufgrund der verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten des Picoway nur wenige Minuten. Die Haut wird zur Schmerzreduktion mit einer Betäubungscreme und kalter Luft behandelt, was sehr gut funktioniert. Die Behandlungskosten richten sich nach der Behandlungsfläche und liegen zwischen 200 und 500 Euro pro Behandlung. Nach der LAserbehandlung kann es zu Krusten kommen, die aber schnell abheilen. Die Sonne sollte an der behandelten Stelle für wenige Wochen gemieden und / oder UV-Schutzcreme angewendet werden.   4. Was passiert physiologisch, wenn das Laser-Licht auf die Haut gerichtet wird? Die bisher verwendeten Nd:YAG-, Rubin-, und Q-switched-Laser funktionieren nach dem Prinzip der selektiven Photothermolyse. Durch die Absorption (Aufnahme) von energiereichem Licht kommt es zur Erhitzung und thermischen Zerstörung des Zielgewebes. Ein Pikosekundenlaser arbeitet anders. Die kürzeren Impulse ermöglichen ihm, die Farbe durch einen photoakustischen Effekt zu zerstören (Schockwelle), ohne daß dabei viel Hitze entsteht. Dadurch werden Farbpigmente in kleinere Stücke zerteilt und vom Körper abtransportiert. Im Gegensatz zu anderen Lasern kommt es bei der Anwendung eines Pikosekundenlasers zu einer deutlich geringeren Narbenbildung.   5. Welche Patientengruppen kommen zu Ihnen hauptsächlich in die Praxis, um sich lasern zu lassen? Hier kann ich nur schätzen. Vermutlich 80% mögen Ihr Tattoo gar nicht mehr, 10% möchten aus beruflichen Gründen eine Entfernung, 10% möchten eine Vorbereitung zum CoverUp-Tattoo. Ich arbeite dafür mit Tätowierern aus der näheren Umgebung zusammen.    6. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Nachfrage in den Praxen/ Kliniken auf dem Gebiet der Pigment-Laser-Dermatologie ein? Die Entwicklung im Bereich Laser-Dermatologie geht immer weiter, was wir ja jetzt an den Pikosekundenlasern sehen. Die Nachfrage an Laserbehandlungen wird immer größer. Die Entfernung von Pigmenten durch nicht invasive Verfahren wird immer mehr nachgefragt. Ich erwarte von den Herstellern, dass die Entwicklung immer weiter geht und man immer mehr neue Laser bekommt, die Behandlungszeiten verkürzen und Nebenwirkungen verringern. Bei der Auswahl des richtigen Systems muss man sich von den Firmen gut und professionell beraten lassen. Ich habe mich für den Picoway entschieden, da mich das System am meisten überzeugt hat, ich mich von der Firma sehr gut betreut fühle und alle meine Fragen und Probleme immer professionell gelöst werden. Gerade bei der Investition in einen Pikosekundenlaser ist die Firma inklusive technischen Service ein wichtiger Punkt.   7. Was können Patienten tun, um den Behandlungsprozess selbst noch zu unterstützen? Direkt nach der Behandlung sollte eine mittelstarke bis starke Kortison-haltige Creme aufgetragen werden. Diese kann nur von Ärzten verschrieben werden. Die weitere Behandlung sollte mit antibakteriellen Cremes erfolgen. Ich glaube nicht, dass man mit handgemixten Tees und ähnlichen Mittelchen das Tattoopigment aus dem Körper entfernen kann. Von derartigen Angeboten sollte man Abstand nehmen.   8. Wir haben in den letzten Jahren bei der Arzt- und Netzwerk-Akquise für DocTattooentfernung.com häufig festgestellt, dass viele Hautärzte in D/A/CH kaum Bezug zu professionellen Tätowierern und ihren Studios haben. Geschweige denn genaueren Kenntnisstand über verwendete Tattoo- und Permanent Make-up Mittel haben. Wie und was sollte man unbedingt ändern? Gerade im Hinblick auf die Laserbehandlung und eine mögliche Zusammenarbeit mit der Tattoo-Branche? Ein Problem ist das Überstechen von Muttermalen. Die Beurteilung, ob ein Muttermal entartet oder nicht, ist bei tätowierten Muttermalen äußerst schwierig. Es kann auch sein, dass auf einem bereits vorbestehenden Tattoo ein Muttermal entsteht und dann nicht analysiert werden kann. Insbesondere Menschen mit vielen Muttermalen oder Menschen, in deren Familie schon mal ein Hautkrebs vorgekommen ist, sollten sich gut überlegen, ob für sie ein großflächiges Tattoo das richtige ist. Unter Umständen kann das -so muss man das formulieren- lebensgefährlich sein. Ich empfehle jedem Tätowierer, bei dem Überstechen von Muttermalen sehr zurückhaltend zu sein und bei Unklarheiten ihre Kunden vorher bei einem Hautarzt vorzustellen. Ich persönlich arbeite diesbezüglich auch gerne mit Tattoo-Studios zusammen.  Youtube-Werbevideo zum Picoway Lasersystem von Syneron Candela https://youtu.be/wwe9iytAY1g .
Arzt Interview Tattooentfernung Copyright Fotolia 71433289
Prof. Dr. med. Christian Raulin aus Karlsruhe behandelt seit vielen Jahren in seiner dermatologischen LASERKLINIK-KARLSRUHE bei Patienten verschiedenste Arten von Tätowierungen mit unterschiedlichen Lasersystemen. Über seine jahrelange Erfahrungen im Umgang mit diesen Lasersystemen und die jüngsten Entwicklungen zu Tattoos, der Laser-Dermatologie und der wachsende Nachfrage in der Laserbehandlung, sprach Prof. Raulin mit DocTattooentfernung.     1. Herr Prof. Raulin, bitte stellen Sie sich und die Laserklinik- Karlruhe in kurzen Sätzen vor. Bei der Laserklinik-Karlsruhe handelt es sich um eines der weltweit anerkanntesten Laserinstitute. Wir waren die ersten, die in Deutschland mit der Entfernung von Tätowierungen angefangen haben. Wir setzten als erste den Rubin-Laser ein, danach kamen Alexandrit-Laser, Nd:YAG-Laser und der frequenzverdoppelte Nd:YAG-Laser. Täglich kommen sicherlich über 300 Patienten in unser Zentrum zur Behandlung.         2. Die Tätowierung und das Permanent Make-up sind in unserer westlichen Gesellschaft heutzutage nicht mehr wegzudenken. Wie ist Ihre persönliche Einstellung gegenüber den allerorts gezeigten Hautverzierungen? Haben Sie eventuell selbst eine Tätowierung oder würden Sie sich eine stechen lassen? Ich persönlich stehe nicht auf Tätowierungen und habe auch keine Tätowierungen. Tätowierungen gehören sicherlich zum Mainstream und sind damit absolut gesellschaftsfähig geworden. Natürlich sind auch Tätowierungen dem Zeitgeist unterworfen. Es bleibt spannend, was sich auf diesem Sektor in den nächsten Jahren tun wird. Wir entfernen nur Tätowierungen durch Laser, bei denen es wirklich Sinn macht. Ein teilentferntes Tattoo sieht immer schlimmer aus als ein halbwegs gut gestochenes Tattoo. Es lassen sich bei weitem nicht in jedem Fall alle Tätowierungspigmente entfernen. Es kommen zahlreiche Patienten zu Cover-up-Vorbereitungen. In der Regel wird jedoch die komplette Tattooentfernung nachgefragt. Die außergewöhnlichste Tätowierung war eine Profi-Tätowierung am Bein, das unter der Einwirkung von K.O.-Tropfen in einem Tätowierstudio in Sankt Pauli (Hamburg) durchgeführt worden ist. Nachdem das Mädel von den K.O.-Tropfen erwachte, war das gesamte Bein volltätowiert. So zumindest ihre Geschichte. Es gibt jedoch mittlerweile hunderte von interessanten und spannenden Geschichten.   3. Würden Sie unseren Lesern bitte erläutern, wie die Behandlung mit dem Laser in Ihrer Praxis typischerweise abläuft, wenn sich ein Patient ein Tattoo entfernen lassen möchte? Welches ist Ihr bevorzugtes Lasersystem? Unser bevorzugte Laser ist der Premium-Nd:YAG-Laser, der Revlite®. Zur Entfernung einer Profi-Tätowierung rechnen wir realistisch betrachtet mit zwei bis drei Jahren und mindestens 15 Sitzungen. Wir führen am Behandlungstag stets zwei Lasersitzungen hintereinander mit einem Abstand von etwa 20 Minuten durch. Dadurch reduziert sich die Gesamtbehandlungszeit um 20%. Bei schmerzempfindlichen Patienten lassen wir eine Stunde vorher eine Betäubungscreme auftragen. Der Erfolg hängt von den Farben ab. Rot und Schwarz sind die Farben, die sich am besten entfernen lassen. Was wir nicht wollen, ist ein Negativbild (Ghost-Tattoo). Unser Ziel ist eine vollständige, narbenlose Entfernung, nichts anderes! Für ein handtellergroßes Areal einer Profi-Tätowierung berechnen wir pro Doppelsitzung, die an einem Tag durchgeführt wird, 150-200 Euro.    4. Was passiert physiologisch, wenn das Laser-Licht auf die Haut gerichtet wird? Durch das Laserlicht werden die Tattoo-Pigmente zersprengt. Danach werden sie teilweise nach außen ausgeschieden, teilweise über das lymphatische Gewebe abtransportiert. Muttermale sollten ausgespart werden. Es sollte immer vorsichtig vorgegangen werden, um Unterpigmentierungen oder Narben zu vermeiden.   5. Welche Patientengruppen kommen zu Ihnen hauptsächlich in die Praxis, um sich lasern zu lassen? Es kommen Patienten aus allen gesellschaftlichen Schichten zu uns. Meist sind sie jedoch von der Altersstruktur zwischen 20 und 35.    6. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung der Nachfrage in den Praxen/ Kliniken auf dem Gebiet der Pigment-Laser-Dermatologie ein? Wir haben enorm viel im Bereich Tattooentfernung geforscht. Die Pico-Nd:YAG-Laser werden keinen zusätzlichen Fortschritt zu den bisherigen Nanosekunden-Premiumlasern bieten. Der Picosekunden-Alexandrit-Laser hat nach Berichten von Kollegen gegenüber Alexandrit-Nanosekundenlasern wohl  Vorteile bei grüner Farbe.   7. Nun kann sich im Grunde jedermann einen Laser kaufen und nach der Einweisung durch den Hersteller die Behandlung anbieten – ist der Umgang tatsächlich so einfach zu erlernen oder gehört mehr dazu als guter Wille? Die Entfernung von Tätowierungen ist meiner Einschätzung nach eine ärztliche Aufgabe und alles andere als einfach. Ich sehe zahlreiche furchtbare teilentfernte Tätowierungen oder auch Narbenbildungen. Wenn man die gesamte Literatur zu den Picosekunden-Lasern betrachtet, habe ich bis Juli 2016 noch keine vollständig entfernte Tätowierung ohne Narben oder Unterpigmentierung (Hypopigmentierung) gesehen!    8. Was können Patienten tun, um den Behandlungsprozess selbst noch zu unterstützen? Zur Nachbehandlung sollte eine vernünftige Pflegecreme gehören, ansonsten sollte natürlich auf einen möglichst hohen Sonnenschutz geachtet werden. Eine sogenannte ganzheitliche Tattooentfernung ist völliger Unsinn und pure Geschäftemacherei. 9. Was raten Sie Ihren Patienten, wenn sie sich ein Tattoo stechen lassen möchten? Ich würde empfehlen, nur zugelassene Tattoo-Farbstoffe zu verwenden. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Darüber hinaus würde ich empfehlen, nicht zu intensiv die Farben einzubringen. Intensive Tätowierungen lassen sich wesentlich schwerer entfernen als Tätowierungen mit weniger Farbinhaltsstoffen. Darüber hinaus würde ich die Farben Rot und Schwarz empfehlen. Diese lassen sich am besten wieder entfernen. Sofern sich jemand für Tätowierungen interessiert, würde ich ihm empfehlen, auf die Seriosität & Hygiene des Studios zu achten, wo die Tätowierung eingebracht werden soll. Zudem würde ich mich als zukünftiger Tattoo-Träger an den Empfehlungen anderer Kunden orientieren.   10. Wir haben in den letzten Jahren bei der Arzt- und Netzwerk-Akquise für DocTattooentfernung.com häufig festgestellt, dass viele Hautärzte in D/A/CH kaum Bezug zu professionellen Tätowierern und ihren Studios haben. Geschweige denn genaueren Kenntnisstand über verwendete Tattoo- und Permanent Make-up Mittel haben. Wie und was sollte man unbedingt ändern? Gerade im Hinblick auf die Laserbehandlung und eine mögliche Zusammenarbeit mit der Tattoo-Branche? Wir haben eine intensive Zusammenarbeit zu vielen Tätowierern, die selbst zur Tätowierungsentfernung zu uns kommen und uns auch weiterempfehlen. Dies ist die beste Werbung! :-) Gerne können Sie mich in Ihr Netzwerk des Bundesverband-Tattoo e.V. aufnehmen. Ich habe hier keine Berührungsängste! Zudem sollte man Kontakt zu Prof. Wolfgang Bäumler (Tattoo-Forscher an der Uni Regensburg) aufnehmen oder seine Arbeit via Internet verfolgen. Er beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit Tattoo-Pigmenten und deren Physik zur Entfernung. Vieles zur Thematik muss noch erforscht werden oder ist unklar.   Weitere Informationen zur Laserklinik-Karlsruhe, Herrn Prof. Raulin und Kollegen, erhalten Sie über die Website http://www.laserklinik.de/ .
	 #61708702 Dermatologist examining mole on patient © WavebreakmediaMicro
In einer Studie der New York University School of Medicine von 2016 sind 90 Tätowierer zu ihren Erfahrungen und Verhaltensweisen bezüglich etwaiger Hauterkrankungen der Kundschaft befragt worden. Was die Wissenschaftler interessierte: Sprechen Tätowierer mit ihren Kunden über auffällige Beobachtungen und raten sie zu weiteren Untersuchungen? Oder tätowieren sie die gewünschte Hautpartie, selbst wenn ausgerechnet dort ein atypisches Muttermal eher Anlass zum Besuch eines Hautarztes geben würde?   Ein wichtiges Ergebnis vorweg, das sehr dafür spricht, dass Ärzte und Tätowierer auf gleicher Augenhöhe sprechen: Tätowierer spielen eine große Rolle für die Hautgesundheit ihrer Kunden- Klientel. Sogar bei entzündlichen Reaktionen der Haut infolge einer frischen Tätowierung wenden sich die Betroffenen tendenziell eher an den Tätowierer ihres Vertrauens als an einen Arzt. Drei Viertel der Tätowierer wiederum schicken ihre Kunden dann zu einem Mediziner, vornehmlich zum Dermatologen. Bei der Mehrheit der Mitarbeiter in den Tattoo-Studios ist das Problembewusstsein für die dermatologischen Fragen ihres Tuns durchaus vorhanden: 71 % der befragten New Yorker Tattoo-Künstler erkundigen sich bei ihren Kunden nach vormaligen Hauterkrankungen, 84 % geben Anweisungen zur Nachsorge, mehr als die Hälfte sucht die Haut ihrer Kunden nach verdächtigen Malen ab, um sicherzugehen. Es zeigt sich, dass die Gruppe jener Tätowierer, die bereits Fortbildung zu dermatologischen Themen erhalten haben, die fürsorglichste im Umgang mit ihren Kunden ist. Über 90 % der interviewten New Yorker Tätowierer äußern Interesse an dermatologischen Fortbildungen und einer engeren Zusammenarbeit mit Hautärzten.   Dermatologische Bildung für Tätowierer in Deutschland Wie ist die gegenwärtige Situation in Deutschland? Ernüchternd, denn: „Tätowierer“ ist keine Berufsausbildung. Ein Gewerbeschein, eine Tätowiermaschine für 40 € aus dem Onlinehandel und schon kann das Unheil seinen Lauf nehmen. Obwohl die Tattoo-Verbände Bundesverband-Tattoo e. V., Deutsche Organisierte Tätowierer e. V. und der ProTattoo e. V. seit Jahrzehnten dafür kämpfen, ist der Prozess der Qualitätssicherung und der Ausbildung im Zweifelsfall der Community überlassen – die allerdings einiges dafür tut, sowohl Künstler wie Kundenkreis zu informieren und die Standards auf hohem Niveau selber zu entwickeln und zu halten. Erste zarte Vorläufer einer denkbaren zukünftigen Regulierung deuten sich auf der Ebene des Verbraucherschutzes mit der Initiative Safer-Tattoo des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an. Freilich richtet sich die Initiative in erster Linie an den Verbraucher, den – sehr – jungen, unerfahrenen Verbraucher.   Was Tätowierer interessiert: Fortbildung im Bereich der Dermatologie wirkt sich positiv auf das Handwerk aus: Die Tätowierer erreichen eine neue Qualität im Umgang mit ihrer Kundschaft. Solche Fragen spielen dabei eine Rolle:   wohin genau gelangt das Tattoo-Pigment in der Haut und in den Körper welches Schadenpotenzial ist damit möglicherweise verbunden welche Fremdstoffe sind wie schädlich, welcher Wirkmechanismus liegt dem zugrunde welche Komplikationen, wie allergische Reaktionen und Entzündungen können auftreten welche Pigmente können auf welche Art am besten entfernt werden   Hierzulande arbeitet man schon seit Jahren zu Fragen rund um das Tattoo und Gesundheit partnerschaftlich zusammen. 2013 wurde die Tattoo-Tagung Bochum gemeinsam von der Haut-Uniklinik der Ruhr-Uni-Bochum, dem ProTattoo e. V. und der DocTattooentfernung ins Leben gerufen.     In den USA hinkt man Deutschland an dieser Stelle ausnahmsweise hinterher, doch der Austausch mit unseren heimischen Tattoo-Profis hat bereits begonnen. Am 25. Februar wird die Tattoo-Tagung Bochum 2017 mit neuen Ergebnissen und neuen Erkenntnissen rund ums Tattoo in die nächste Runde gehen. Die European Society on Tattoo and Pigment Research (ESTP), eine 2013 in Kopenhagen gegründete Organisation von Medizinern, Wissenschaftlern und Tattoo-Profis, verfolgt zudem in gemeinsamer Anstrengung, der Kulturtechnik der Tätowierung einen angemessenen Platz in der medizinischen Diskussion zu verschaffen. Der 3. Kongress der ESTP (#ECTP2017) wird vom 28. bis 30. März 2017 bei Herrn Prof. Wolfgang Bäumler an der Uni in Regensburg die neuesten Einsichten und Ergebnisse zur Epidemiologie von Tattoos, der Entwicklung von Pikosekunden-Lasern und der Behandlung von Komplikationen nach Tätowierungen diskutieren. (Wir werden zeitnah darauf hinweisen und ausführlich berichten.)     Was Ärzte von Tätowierern lernen können Es ist dringend geboten, dass alle Parteien zusammenarbeiten, um einerseits interessierten Tätowierern die Möglichkeit zu eröffnen, sich in Fragen der Dermatologie grundsätzlich fortzubilden. Ärzte wiederum könnten im gleichberechtigten Austausch von den Erfahrungen in den Tattoo-Studios profitieren. Nur wer weiß, wie Tätowier-Mittel professionell in die Haut eingebracht werden, kann sie bestmöglich mit dem richtigen Werkzeug wieder entfernen:   welche Inhaltsstoffe enthalten die unterschiedlichen Tätowier-Mittel Beobachtungen zu Hautirritationen vor und nach dem Tätowieren Zusammenhänge zwischen Hautirritationen und Tätowier-Mitteln wer tätowiert welches Publikum mit welchen Werkzeugen an welchen Körperstellen welche Entwicklungen zeichnen sich bei Tätowierungen in den Studios ab, bevor es die Arztpraxen erreicht wie gehen Tätowierer mit den Themen Wundheilung, -versorgung, Desinfektion und Hygienestandards um   Im Grunde sollte das Ziel sein, dass jedes Tattoo-Studio mit einer Hautarztpraxis zusammenarbeitet, um die bestmögliche Versorgung der Verbraucher zu gewährleisten. Außerdem könnte auf diese Weise ein weiterer Beitrag zur Hautkrebsprävention geleistet werden. Vier Augen sehen meist mehr als zwei und so mancher ist dann doch häufiger bei seinem Tätowierer als beim Hautarzt zu Gast.     .

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