Tattooentfernung ist nicht gleich Tattooentfernung!

Tattooentfernung ist nicht gleich Tattooentfernung!
Interview vom 01.11.2012 mit Frau Dr. Yael Adler, Dermatologin Privatpraxis – Dr. Adler im Haut- und Laserzentrum Potsdam/ Berlin

Immer mehr Menschen möchten sich von ihrer alten Tätowierung trennen. Entweder aus Gründen des Imagewechsels, durch berufliche Anforderung oder weil die Hautverzierung einfach nicht mehr gefällt. Neben einer Komplettentfernung, lassen sich viele ihre bereits gestichelte Hautstelle aufhellen, um sie anhand von Cover-ups mit neuen Motiven zu versehen. Dank modernster Lasertechnik ist das damals für die Ewigkeit gedachte Tattoo vergänglich geworden. Doch Tattooentfernung ist nicht gleich Tattooentfernung. Wo liegen die Unterschiede bei Laien- und Profi-Lasertherapeuten?

Wir haben Frau Dr. Adler, Dermatologin der Privatpraxis Dr. Adler im Haut- und Laserzentrum/Potsdam in Berlin gefragt.

Seid einiger Zeit kann man sich auch in Kosmetikinstituten und -studios mit einer Laser- und/oder Blitzlampentherapie seine Falten, Haare und unerwünschten Haut-Pigmentierungen von Nicht-Medizinern behandeln lassen. Wie beurteilen Sie diese Situation?

Lasersysteme und Blitzlampen sind sehr leistungsfähige Geräte, deren Lichtstrahlung nicht zu unterschätzen ist. Ihre Nutzung setzt viel Erfahrung und Wissen über Physik, Physiologie der Haut, aber auch der sicherheitstechnischen Umgebung in den eigenen Praxisräumen voraus. Trifft als Beispiel ein Fehlschuss über reflektierende Oberflächen im Behandlungsraum ins Auge, ist die Verletzung irreparabel. Bei unsachgemäßer Anwendung können schwere Nebenwirkungen beim Anwender und beim Patienten/ Kunden auftreten. Diese können von Verbrennung, Vernarbung, Entzündung, bis hin zur Fehlbehandlung von nicht korrekt diagnostizierten Hautanomalien reichen oder Pigmentverschiebungen und Allergien beim Patienten auslösen. Blitzlampen (IPL) gehören unter Aufsicht, Lasersysteme hingegen speziell in die Hände von jeweils ausgebildeten Medizinern, die im Ernstfall sofort Gegenmaßnahmen einleiten können.

Der deutsche Gesetzgeber fordert von zukünftigen Laseranwendern lediglich einen sogenannten Laserschutzkurs bzw. die Ausbildung zum Laserschutzbeauftragten. Egal ob Arzt oder Laie! Reicht das aus oder sollte man sich im Bereich Lasermedizin noch seriöser qualifizieren?

Optimal wäre gerade für den Bereich ästhetische und medizinische Lasermedizin eine eigene Weiterbildung zu etablieren, um die Sicherheit für Anwender und Patienten bei Laserbehandlungen zu gewährleisten. Es geht um eine Risikominimierung und um die Vermeidung von Komplikationen. 

Das Grundlagenseminar zum Laserschutzbeauftragten ist für Mediziner und Nichtmediziner zugänglich. Es ist ein reines Sachkundeseminar nach gesetzlicher Vorschrift. Hierbei geht es ja vor allen Dingen um allgemeine Grundlagen der Laserstrahlung, deren Eigenschaften und Wirkungen, rechtliche Rahmenbedingungen und Gefahren am Arbeitsplatz. Also darum, Qualitätsstandards in der Laseranwendung zu sichern und Risiken bei der Anwendung zu minimieren.

Kenntnisse über die Haut und Ihre Reaktionsweise sowie medizinische Zusammenhänge werden hier nicht vermittelt. Ein Nicht-Mediziner kann also die Wirkung des hochenergetischen Lichts und des Lasers auf die Haut weder abschätzen noch beurteilen.

Eine Vielzahl der lasermedizinischen Leistungen werden nicht ausreichend von den Krankenkassen übernommen, wie z.B. bei der Tattooentfernung. Daraus entstehen sogenannte IGeL- Leistungen, die der Arzt dem Patienten gesondert in Rechnung stellt. Das lenkt viele von der Arztpraxis zum Kosmetikstudio weil es dort finanziell attraktiver erscheint. Stimmt das? 

Die Preisgestaltung hängt im Allgemeinen davon ab, wie aufwendig eine Tattooentfernung ist, wie groß die Fläche und die ausgelöste Anzahl an Impulsen (Laserschüsse) die für eine Behandlung notwendig sind. Auch sind sicherlich Behandlungen mit qualitativ hochwertigen Geräten unter Umständen etwas kostenintensiver. Dafür sind aber auch schneller Ergebnisse erzielbar, was am Ende die Anzahl der zu bezahlenden Sitzungen reduziert. Dennoch sind die Preise bei Ärzten unter Berücksichtigung der Aufwendungen für Fort- und Weiterbildungen zuzüglich des umfangreichen Erfahrungsschatzes des Mediziners mit guten Kosmetikstudios oft absolut vergleichbar. Bei Billigangeboten sollte man immer etwas vorsichtiger sein. Qualität kostet nun mal Geld, egal ob in der Kosmetik- oder der Medizinbranche.

Einige Laientherapeuten, die sich auf die Laser-Tattooentfernung spezialisiert haben sind der Meinung, dass ein Arzt sich nicht so viel Zeit für ein ausgiebiges Beratungsgespräch vor der eigentlichen Behandlung nimmt und sich daher die Patienten nicht wohlfühlen würden. Stimmt das? 

Ein Arzt, der seinen Beruf korrekt und mit Engagement ausführt, wird auf eine gute Aufklärung sicher Wert legen. Eine gelingende Behandlung ist immer auch von einem vertrauensvollen Arzt-Patientenbündnis abhängig. Das baut man nicht in 5 Minuten auf. Meine Beratungsgespräche vor Beginn einer Lasertherapie dauern gut eine halbe Stunde oder mehr. Erst wenn der Patient keine offenen Fragen mehr hat und ich mir seine Tätowierung genauestens unter der Lupe vorgenommen habe, beginne ich mit der eigentlichen Behandlung. Oft führe ich sogar kostenlose Probebehandlungen zur richtigen Dosisfindung aus.

Woran erkenne ich als Patient einen guten Lasertherapeuten? 

Der Therapeut sollte eine Reihe unterschiedlicher Lasersysteme zur Auswahl haben – kann also optimaler Weise für jede Indikation den passenden Laser bieten und muss nicht mit einem vielleicht unpassenden Laser versuchen alle möglichen Diagnosen zu behandeln. Fragen Sie, wie oft der Arzt diese Behandlung schon durchgeführt hat. Lassen Sie sich beraten und überprüfen Sie, ob alle Fragen zufriedenstellend beantwortet werden. Auch die Empfehlung anderer Patienten ist dabei hilfreich. Ein guter Lasertherapeut berät Sie umfassend zum Vorgang der Tattooentfernung, kann die Behandlungsdauer einschätzen und klärt sie vor allen Dingen darüber auf, was sie selbst zum gewünschten Behandlungsergebnis in der Nachsorge beitragen können.

Welches Lasersystem war Ihr erstes, wann und warum? 

Es war von Anfang an ein breites Spektrum an Lasergeräten. Nur so ist gewährleistet, dass man zu jeder Hautveränderung, die gelasert werden kann und darf, auch eine geeignete Technologie vorhanden ist. Besonders häufig gefragt sind Gefäß-, Pigment- und chirurgische Laser. 

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Lasermedizin aus? 

Gute Qualität setzt eine gute Ausbildung und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein beim Therapeuten voraus. Die eingesetzte und moderne Lasertechnik spielt hierbei ebenso eine große Rolle, wie das Know-How des Therapeuten. Leberflecken – nur mal als Beispiel – dürfen nicht gelasert werden. Das bleibt aber bei vielen Laientherapeuten unberücksichtigt. Eine sicher gestellte Diagnose ist unerlässlich. Manchmal muss auch vor einer Behandlung eine Gewebeprobe entnommen werden, damit der Pathologe (Gewebekundler) etwas Bösartiges ausschließen kann.

Bei der Tattooentfernung helfen gelegentlich Probebehandlungen weiter: Wichtig ist die Bestimmung des Hauttyps (Sonnenempfindlichkeit und Hautfarbe), welche Art von Tätowierung (schwarz oder bunte Farben) vorliegt, wie alt diese ist, vom Profi oder Laien gestochen und welchen Lasertyp man für die Behandlung verwenden wird. Der Therapeut muss aus der Haut des Patienten lesen können um zu beurteilen, ob Laser-Wellenlänge, Dosierung und Einwirkzeit des Laserimpulses gut passend sind. Nur so erhalten sie ein optimales Behandlungsergebnis. Zudem muss er übermäßige Hautreaktionen noch während der Behandlung einschätzen können und mögliche Gegenmaßnahmen einleiten können. Bei sehr seltenen aber durchaus möglichen starken allergischen Reaktionen hilft oft nur eine medikamentöse Gegenbehandlung. Das kann ein Kosmetiker oder Laientherapeut nicht leisten.  

Welches Lasersystem bevorzugen Sie für die Tattoo-/Pigmententfernung und warum?

Sehr effektiv und mit raschem Therapieerfolg ist ein Q-switched Nd:YAG Laser. Die Patienten sparen sich viele Behandlungen und sind über das Ergebnis sehr erfreut. Ich entferne damit Tätowierungen, Altersflecken, Sonnenflecken, Permanent Make-up u.a.. Die Behandlungseinstellungen sind durch einfache Menüführung und Vorprogrammierungen leicht und verständlich. Damit hat der Patient ein hohes Maß an Sicherheit. Und es macht großen Spaß damit zu arbeiten, da man den Effekt direkt sehen kann.

Wie bzw. wohin wird sich Ihrer Meinung nach die kosmetische Lasermedizin in der Zukunft entwickeln?  

Ich halte es für sinnvoll, dass grundsätzlich nur ausgebildete Mediziner lasern. Gerade beim lasern von Tattoos können allergische Reaktionen durch Zerfallsprodukte der Tattoofarben auftreten. Hierbei muss ein Lasertherapeut schnell wissen was zu tun ist und handeln. Es kann auch massive Schwellungen geben und da sind anatomische Kenntnisse über den Lymphabfluss einfach unbedingt erforderlich!

Auch führt eine zu aggressive Einstellung der Lasersystemparameter leicht zu Vernarbungen der Haut. Die Zeichen der Haut zu deuten, wann die Einstellung passt oder gar zu intensiv ist, kann nur ein erfahrener Hautarzt leisten, entsprechend reagieren und gegensteuern.

Auch Hautreizungen, Einblutungen, Schwellungen und allergische Reaktionen kann nur ein Mediziner richtig einschätzen und behandeln. Ganz wichtig ist auch noch einmal zu betonen – Leberflecken dürfen nicht gelasert werden. Auch aus diesem Grunde ist es sehr problematisch, wenn man weiß, dass Kosmetikerinnen in ihren Studios durchaus auch Pigmentmale mit einem IPL-System behandeln. Dies kann dazu führen, dass ein schwarzer Hautkrebs versehentlich mit behandelt, also verkannt wird und später zu Metastasen führen kann.

Die Unterscheidung von Pigmentmalen (Leberflecken, Altersflecken und Hautkrebs) bleibt Dermatologen vorbehalten. Ein Wochenendkurs für Kosmetikerinnen reicht nicht, um ein Laserspezialist zu sein. 

Weitere Informationen zu Dr. med. Yael Adler – Privatpraxis für Dermatologie, Phlebologie, Allergologie und Lasermedizin finden Sie auf www.dradler-berlin.de

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