Wie viele Lasersitzungen brauche ich für meine Tattooentfernung wirklich? Der ehrliche Ratgeber

Wie viele Lasersitzungen brauche ich für meine Tattooentfernung wirklich? Der ehrliche Ratgeber

Wie viele Lasersitzungen man bis zur finalen Tattooentfernung wirklich braucht, wird wohl die zweithäufigste Frage sein, die Tattoo-Trägerinnen und -Träger vor ihrem Laser-Termin stellen. Gefolgt von den Kosten pro Laserbehandlung und sie hängen, wie Sie vielleicht schon ahnen, eng zusammen. Unsere ehrliche Antwort dazu vorab. Eine zuverlässige Anzahl kann Ihnen niemand nennen, bevor er Ihr Tattoo oder Permanent Make-up je gesehen hat. Wer Ihnen am Telefon „garantiert in fünf Sitzungen weg“ oder ähnliches verspricht, ohne Ihre Tätowierung in natura in Augenschein genommen oder eine Probebehandlung gemacht zu haben, sollte Sie misstrauisch machen.

Was wir Ihnen an dieser Stelle geben können, ist ein fundiertes Verständnis über einige wichtige Faktoren, die die Anzahl der Lasersitzungen bestimmen können. Damit gehen Sie informiert in Ihre Erstberatung und können die Aussagen Ihres Laser-Docs vielleicht etwas besser verstehen und einschätzen.

Tattooentfernung mit Laser ist kein standardisierter Prozess. Jede Tätowierung ist ein Unikat. Selbst wenn der Anker, das Tribel oder Ornamental-Tattoo an unterschiedlichen Körpern ziemlich ähnlich aussehen, so unterscheiden sich nicht nur die Haut und Organismus ihrer Träger, sondern auch ihre Größe, Farbe, Tiefe, Alter und Material, ff.. Jeder Körper reagiert zudem sehr unterschiedlich auf die Laserbehandlung und darauf, was sie auslöst.

Als grobe Orientierung gilt in der Laser-Praxis, dass die meisten Tattoos im Durchschnitt zwischen 6 und 12 Lasersitzungen benötigen. Das heisst aber eigentlich gar nichts für Sie. Ihr Tattoo ist anders. Einfache, einfarbig schwarze Tätowierungen können manchmal schon nach 4 – 6 Behandlungswiederholungen deutlich verblasst oder vollständig entfernt sein. Das sind Lucky-Punches! Glückwunsch ans Portemonnaie. Es können aber auch mal 10 bis 15 Laserbehandlungen sein. Aufwändige, mehrfarbige Profi-Tattoos können 10, 12, 15 oder in vielen Fällen noch viele weitere Laser-Sessions erfordern.

Zwischen jeder Laserbehandlung liegt eine Pause von mindestens 6 – 8 Wochen, da Ihre Haut und Ihr Immunsystem diese Zeit benötigen, um die vom Laser-Impuls zersprengten Pigmentpartikel der Tätowierung über das Lymphsystem abzutransportieren.

„Zersprengt – ja!“ Trifft der Laser-Impuls auf ein Tattoo-Pigment, wird dieses, einfach ausgedrückt, gesprengt. Das hinterlässt nicht nur mikroskopisch kleine Laser-Vakuolen in der Haut, sondern teils auch kleine Bläschen an der Hautoberfläche (sogen. Kavitations-/ Gas-Blasen). Das bedeutet, dass eine vollständige Tattooentfernung mit einem echten Heilungsprozess verbunden ist, der sich nach jeder Lasersitzung in Etappen erstreckt und dabei werden eben nicht nur die Pigmenttrümmer abtransportiert.

Wer dabei mit besonders wenigen Lasersitzungen in sehr kurzer Zeit bei der Tattooentfernung prahlt, betreibt vorrangig Marketing und will Sie primär als Kunden haben. Wichtig ist aber, dass eine Tattooentfernung nie zack-zack geht ein Laser kein Radiergummi oder Tintenkiller ist.

Im Finale sind vor allen Dingen Sie es, die/der entscheidet, wann es die letzte Lasersitzung war und Ihr Tattoo oder PMU unsichtbar genug ist. Erst dann kennt man die genaue Anzahl der Lasersitzungen für Ihre Tätowierung!

Für eine fundierte Prognose nutzen manche erfahrene Laserologen gerne die sogenannte Kirby-Desai-Skala (William Kirby et al., 2009). Sie ist ein wissenschaftlich entwickeltes Punktesystem, das die wichtigsten Einflussfaktoren bewertet und daraus eine Schätzung der möglicher Weise benötigten Lasersitzungen ableitet.

Die Skala berücksichtigt dazu sechs Hauptkriterien:

1.) Hauttyp (nach Fitzpatrick-Skala)

2.) Ort des Tattoos am Körper

3.) Farbe der Tätowierung

4.) Menge der eingebrachten Tätowierfarbe (Pigmentdichte)

5.) Narbengewebe oder Gewebeveränderungen

6.) Deckkraft & Schichtung der Tattoo-Pigmente (nachgestochen oder Cover-up)

Jedes dieser 6 Kriterien wird mit Punkten bewertet. Die Gesamtpunktzahl lässt eine Schätzung der benötigten Lasersitzungen zu und steht immer unter Berücksichtigung einer Behandlungspause von 6 bis 8 Wochen.

Mehr zur Kirby-Desai-Skala, wie sie im Detail funktioniert und warum uns diese Skala für eine adäquate Laser-Behandlungs-Prognose zu mickrig ist, lesen Sie in unserem ausführlicheren Blog-Beitrag: Wie viele Laserbehandlungen braucht eine Tattooentfernung? Kirby-Desai-Skala & mehr

Schwarze und dunkele Pigmente absorbieren aufgrund ihres hohen Kontrasts das Laserlicht eigentlich am stärksten. Sie lassen sich je nach Farbe und Laserlicht-Wellenlänge deshalb meist am effektivsten entfernen. Tätowierfarben-Mischungen aus verschiedensten Pigmenten oder bunte Pastelltöne wie Gelb, Hellgrün oder 50-Shades-of-Regenbogen sind deutlich aufwändiger und erfordern oft speziellere Laser und Wellenlängen sowie mehr Sitzungen. Mehrfarbige Tattoos brauchen daher in aller Regel mehr Behandlungen als einfarbige.

Ältere Tattoos verblassen auf teils natürliche Weise. Pigmentpartikel re-agglomerieren zudem mit der Zeit und können zugänglicher für bestimmte Laser werden. Ein frisches Tattoo hat dagegen dichte, tiefe Pigmentansammlungen. Eine echte Faustregel gibt es zum Alter einer Tätowierung leider nicht. Allerdings ist der Reifegrad einer Tätowierung für die Laserologen wichtig zu wissen, da man über Zeitangaben Rückschlüsse auf die Größe eines Tattoo-Pigments führen kann und auch auf neuere moderne REACH-konforme Tattoo Inks.

Je größer eine tätowierte Hautfläche ist, desto mehr Sitzungen sind in der Regel notwendig. Und natürlich berechnet sich an der Fläche des bunten Hautareals auch die Dauer der jeweiligen Lasersitzung zwischen Sekunden und Minuten.

Ein professionell gestochenes Tattoo hat recht gleichmäßig tiefe Pigment-Depots in der Dermis. Das kann Laserbehandlungen erleichtern und effizienter machen. Ein Laien-Tattoo hingegen hat oft ungleichmäßige Tiefen, was die Reproduzierbarkeit von Laser-Spotgrößen und Energiewerten dorthin, wo sie in der Haut benötigt werden, verkompliziert. Zudem ist die Dermis je nach Körperstelle ungleichmäßig dick, wobei das Pigment eines Steiß-Tattoos oder an der Handinnenfläche (dicke Hautschicht) tiefer deponiert und aufwändiger zu lasern sein kann als zum Beispiel an den Oberschenkel-Innenseiten oder dem Dekolleté.

Bei helleren genetischen Hauttypen (I–III) kann z.B. ein PICO oder NANO QS Nd:YAG Laser (1.064nm) mit höherer Energie arbeiten, ohne das umliegende Gewebe und seinen Melaningehalt zu gefährden. Bei dunkleren Hauttypen (ab III–VI) muss der Laserologe mit kurzen Laserlicht-Wellenlängen (532nm, 694nm oder 755nm) vorsichtiger vorgehen, um Hyper-, Hypo- oder Depigmentierungen zu vermeiden. Seichtere Laser-Energieparameter können den gesamten Behandlungsprozess verlängern oder bei höheren Energie-Werten (Fluenz: J/cm2) den Heilungsprozess verkomplizieren.

Körperstellen mit guter Durchblutung und ausgeprägtem Lymphsystem, etwa am Oberkörper, Rücken oder Oberschenkel, sprechen besser auf die Laserbehandlung an, weil das Lymphsystem dort die zersprengten Tattoo-Pigmente schneller abtransportieren kann. Hände, Unterschenkel, Füße und Knöchel hingegen haben eine schlechtere Gefäßausstattung, was nicht nur die Pigmentabtransport von dort verlangsamt, sondern auch mehr Lasersitzungen bedeuten kann.

Der Abbau der zertrümmerten Tattoo-Pigmentpartikel läuft über das Immunsystem. Genauer gesagt über die Fresszellen (Makrophagen) im Lymphsystem. Man sagt, dass Menschen, die regelmäßig Sport treiben, gut hydriert sind und nicht rauchen, die Pigmenttrümmer schneller abbauen. Rauchen verlangsamt die Mikrozirkulation und damit solche Heilungsprozesse nachweislich. Um wie viele Tage genau, weiß die Forschung noch nicht. Eine Bioverfügbarkeitsstudie fehlt im Bereich der Lasertherapie zur Tattooentfernung bisher allerdings. Dass eine Tattooentfernung bei Menschen, die den ganzen Tag nichts tun, nicht funktionieren würde, konnten wir bisher allerdings nun auch nicht feststellen. Aber es dauert möglicher Weise eben länger.

Wer die Nachsorge-Hinweise seines Laserologen, wie Sonnenschutz, Hautpflege, Ernährung, Bewegung und Behandlungspausen konsequent befolgt, trägt aktiv dazu bei, dass seine gelaserte Haut schneller heilt und die nächste Lasersitzung vielleicht nicht nur schon früher möglich wird, sondern auch schon weniger Pigmentreste übrig sind.

Moderne Pikosekunden-Laser können Tattoo-Pigmente sehr effizient zersprengen. Sie schmerzen weniger und richten bei korrekter Anwednung auch weniger Kollateralschaden im Hautgewebe an. Sie können vor allen Dingen ein breiteres Farbspektrum lasern als ihre älteren Vorgänger, die Nanosekunden-Lasersysteme. Die aktuell mit echten und professionellen Pico-Laser erzeugten Ergebnisse sehen teils wirklich sehr gut aus. Oftmals zudem auch mit gefühlt weniger Behandlungs-Wiederholungen. Die Wahl der richtigen Laserlicht-Wellenlänge für die jeweiligen Pigmentfarben der Tätowierung ist dabei allerdings auch entscheidend.

Wer anderswo schon gelasert wurde, bringt eine andere und bedeutende Ausgangslage mit. Vorbehandlungen können die neue Lasersitzung erleichtern (nur noch Pigmentreste übrig) aber auch deutlich erschweren. Wenn etwa falsch behandelt wurde, mit falschem Laser und Energie-Parametern oder ungeeigneter Laserlicht-Wellenlänge und neben Narbengewebe beispielsweise auch ungewünschte chemische Reaktionen am Tattoo-Pigment ausgelöst wurden, dann geht es nur um unvorhersagbare Reparatur und das mag kaum einer, noch mag man die Anzahl an Lasersitzungen und anderen Behandlungs-Methoden zählen.

Tattoo-Typerwartete Lasersitzungen (ø Richtwert)
klein, einfarbig schwarz, älter4 – 6 Sitzungen
mittelgroß, einfarbig schwarz6 – 8 Sitzungen
mittelgroß, mehrfarbig8 – 12 Sitzungen
groß, mehrfarbig, bunte Farben12 – 15+ Sitzungen
Cover-up (über altem Tattoo)oft 15+ Sitzungen
Permanent Make-up3 – 6 Sitzungen (je nach Pigment)

⚠️ Hinweis: Diese durchschnittlichen Richtwerte dienen der „sehr groben“ Orientierung und ersetzen keine individuelle Erstberatung durch Ihren Laserologen.

Viele Menschen denken zwar an die Anzahl der jeweiligen Lasersitzungen, denen sie sich wohlmöglich unterziehen müssen, vergessen dabei aber die Gesamtdauer der Laserbehandlung bis das Tattoo oder PMU vollständig entfernt wurde. Wir raten dazu gerne mal den Wandkalender zur Hand zunehmen und zu zählen. Bei 8 Sitzungen mit jeweils 6 – 8 Wochen Pause kommt man auf mindestens 12 – 16 Monate bis zur finalen Laserbehandlung.

Das ist keine schlechte, sondern eine realistische Nachricht für Sie. Wer das von Anfang an weiß, kann besser planen. Gerade wenn die Tattooentfernung an einen konkreten Anlass geknüpft ist. Um das lästige Schulter-Tattoo noch vor dem Hochzeitstermin im Juni nächsten Jahres verschwinden zu lassen, dem hilft es wenig erst im Mai davor zur ersten Laserbehandlung zu kommen. Ähnliches gilt natürlich für das Bewerbungsgespräch, Urlaube – ach ja – und Schwangerschaft. Bei der Lasertherapie kann man aber sehr gut drumherum planen, pausieren und mit einigen Schutzmaßnahmen und gestreckten Behandlungspausen arbeiten.

Geht es nicht schneller mit der Tattooentfernung, wenn man einfach die Pausen bzw. Heilungsphasen verkürzt? Jaaa, die Frage bekommen unsere Laser-Docs und wir sehr häufig gestellt.

Die klare Antwort: Nein!! Und es wäre auch kontraproduktiv. Das Immunsystem braucht seine Zeit, um die zersprengten Pigmentpartikel Ihrer Tätowierung abzutransportieren und das gelaserte Hautgewebe-Areal zu reparieren. Wird zu früh erneut gelasert, riskiert man nicht nur eine Überlastung des Gewebes, des Immunsystems und schlechtere Ergebnisse, sondern auch ein erhöhtes Narbenrisiko.

Es gibt jedoch einige Behandlungsprotokolle, die von der Forschung untersucht werden. Die sogenannte R20-Methode (alternativ R0 mit PFD-Patch oder R40) als Beispiel. Dabei werden in einer Sitzung mehrere Laserbehandlungen im Abstand von 20 Minuten durchgeführt (R = Repeat). Die Datenlage dazu ist gegeben, aber noch nicht abgeschlossen.

Auch Kombination-Therapien mit verschiedenen Lasern und akustischer Stoßwelle und Co. werden als vermeintliche Tattooentfernungsbeschleuniger herangezogen. Wir sind ehrlicher Weise keine Freunde davon, wenn man das Ziel einer „optimalen“ Tattooentfernung verfolgt.

Fragen Sie aber gerne Ihren Laserologen, ob solche Verfahren für Ihr Tattoo in Frage kommen.

1.) Verlangen Sie eine individuelle Prognose zu Ihrer Tattooentfernung. Nicht nur eine Zahl, sondern auch gerne eine Begründung dazu. Ein guter Laserologe erklärt Ihnen, welche Faktoren bei Ihrem Tattoo ausschlaggebend für die Dauer, Kosten und Anzahl der Lasersitzungen sind.

2.) Fragen Sie nach dem Lasersystem und lassen Sie sich erläutern, warum gerade dieses System am besten für Ihre Tätowierung geeignet ist. Welche Wellenlängen werden eingesetzt? Ist der Laser wirklich für all Ihre Tattoo-Farben geeignet?

3.) Planen Sie selber realistisch Ihre Behandlungstermine und bauen Sie zeitlichen Puffer ein. Besonders wenn Sie einen konkreten Termin für das Laser-Finale im Kopf haben. UND vermeiden Sie bitte unbedingt NO-SHOWs. Behandlungstermine wachsen nicht auf Bäumen!

4.) Fragen Sie nach Fotos vom Zwischenstand Ihrer Laserbehandlung. Seriöse Laser-Praxen dokumentieren den Fortschritt nach jeder Lasersitzung und können Ihnen dann zum Vergleich auch das Erstfoto zeigen. Sie sehen Ihre Tätowierung jeden Tag und stellen mögliche Aufhellungen und Fortschritte eventuell nur minimal oder gar nicht fest. Der vorher/nachher-Effekt hilft Ihnen auch während der Lasertherapie den Prozess Ihrer Tattooentfernung besser zu verfolgen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Die Anzahl der notwendigen Lasersitzungen ist immer so individuell, wie die Tätowierung oder das Permanent Make-up und seine Tattoo-Trägerin und -Träger selbst. Es hängt von unzähligen Faktoren ab. Eine kleine Änderung der Laser-Energieparameter und Sie kommen vielleicht ein- oder zwei Mal öfter zur Laserbehandlung als Ihr Vorgänger. Vielleicht geht aber auch schneller!?

Was für Sie zählen sollte, ist eine ehrliche Erstberatung, ein erfahrener Laserologe und Ihre eigene realistische Erwartungen zur Laserbehandlung. Wer gut informiert in die Laserbehandlung zur Tattooentfernung geht, erlebt weniger Überraschungen und erzielt wohlmöglich auch noch bessere Ergebnisse.

Diesen Artikel hat DocTattooentfernung redaktionell erstellt und wurde vom Medical & Technical Advisory Board auf fachliche Korrektheit geprüft.

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