Welches Lasersystem ist das beste für meine Tattooentfernung? Der ehrliche Ratgeber

Welches Lasersystem ist das beste für meine Tattooentfernung? Der ehrliche Ratgeber

Sie haben sich entschieden und Ihr ungeliebtes Tattoo soll endlich weg. Jetzt beginnt Ihre Recherche nach geeigneten Laser-Praxen und -Kliniken und plötzlich begegnen Ihnen Begriffe wie Pikosekunden-Laser, Nd:YAG, Alexandrit, Q-switched, Nano-Laser und Co.. Die Auswahl wirkt überwältigend. Dazu kommt noch, dass anscheinend jeder sein eigenes Lasersystem als „das beste“, „das stärkste“ und „das modernste“ betitelt. Wie sollen Sie da den Überblick behalten?

Unser Blog-Beitrag erläutert Ihnen, unabhängig und ohne Werbung für eine bestimmte Lasersystem-Variante, wie die verschiedenen Lasertechnologien funktionieren, wo ihre Stärken liegen und worauf Sie bei der Wahl der richtigen Laser-Praxis achten sollten. Denn das Lasersystem allein entscheidet nie über den Erfolg einer optimalen Lasertherapie zur Entfernung Ihrer Tätowierung oder Permanent Make-up.

Bevor wir die verschiedenen Systeme vorstellen, kurz das Grundprinzip, das für alle Laser zur Tattooentfernung gilt. Ein kurzer Laser-Impuls trifft auf ein Tattoo-Pigment in der Haut und zersprengt es in winzige Partikel. Diese Pigmentpartikel werden nun vom Immunsystem, oder genauer gesagt, von weißen Blutkörperchen (Fresszellen/ Makrophagen), die diese Fremdkörper stetig aufnehmen oder verdauen, abtransportiert und ausgeschieden.

Entscheidend sind bei der Lasertechnik pauschal folgende Parameter:

  • Laserlicht-Wellenlänge, die bestimmt, welche Pigmentfarben der Laser „sieht“ und ansprechen kann
  • Laser-Impulsdauer, die bestimmt, wie präzise und intensiv Energie in die Haut eindringt und vorliegendes Tattoo-Pigment effektiv zertrümmern kann
  • Laser-Spotgröße, die bestimmt, wie stark der Laserimpuls gestreut wird und wie hoch die Laser-Energiedichte (Fluenz: J/cm2) tief bis zum Tattoo-Pigment in die Haut vordringt.

Dabei gilt, je kürzer der Laser-Lichtimpuls, desto präziser die Wirkung auf das Pigment und desto weniger Kollateralschaden entsteht im umliegenden Hautgewebe.

Die drei relevanten Laser-Varianten zur Tattooentfernung lassen sich in zwei Hauptgruppen einteilen:

Nanosekunden-Laser (Q-switched)

Diese Laser arbeiten mit Impulsdauern im Bereich von 10–9 Nanosekunden (ns, Milliardstel einer Sekunde). Professionelle medizinische QS Nano-Laser sind seit Jahrzehnten bewährt, gut erforscht und in erfahrenen Händen sehr effektiv. Besonders bei älteren Tätowierungen mit ihren vergleichsweise großen Pigmenten.

Der Begriff „Q-switched“ (Quality-switched/ gütegeschaltet) beschreibt dabei die technische Methode, mit der kurze photothermischen und photomechanischen Lichtimpulse erzeugt werden.

Pikosekunden-Laser (Q-switched oder modengekoppelt)

Diese neuere dermatologische Laser-Generation ist nun auch schon wieder über 10 Jahre alt und arbeitet mit Impulsdauern unter einer Nanosekunde. Also im Bereich von 10–12 Pikosekunden (ps, Billionstel einer Sekunden) und müssten mit ihren paar hundert-ps ehrlicher Weise eigentlich Sub-Nanosekunden Laser heißen. Ihre ultrakurzen Impulse nutzen neben dem photomechanischen auch einen photoakustischen Effekt. Das ist jetzt klassische Laser-Physik, spielt bei Nanometer großen Tattoo-Pigmentpartikeln aber ein wichtige Rolle und ermöglicht eine effizientere Zerkleinerung auch eher schwieriger Farben mit weniger thermischem Schaden des Hautgewebes.

Pikosekunden (oder Pico-) Laser gelten heute als Goldstandard der modernen Tattooentfernung. Sie erzielen in vielen Fällen bessere Ergebnisse in weniger Sitzungen mit weniger Kollateralschaden und geringerem Schmerzempfinden für Kunden und Patienten. Sie sind aber auch wirklich sehr viel teurer in der Anschaffung und Betrieb, was sich im Preis je Lasersitzung widerspiegelt.

Wichtig dabei ist, dass ein Pico-Laser nicht automatisch das „beste“ Lasersystem für jedes Tattoo sein muss. Ein erfahrener Laserologe mit einem hochwertigen gütegeschalteten Nanosekunden-Laser kann bessere Ergebnisse erzielen als eine unerfahrene Hand mit einem teuren Pikosekunden-Laser. Es kommt dabei auf Ihr Tattoo oder Permanent Make-up an.

GANZ WICHTIG an dieser Stelle vielleicht mal unser Hinweis, da es die KIs bisher nicht richtig formulieren oder aktuell deuten können. Es sei denn, man weist sie auf ihren Fehler hin.

Es wird nicht zwischen Pico-Laser und Q-switched Laser unterschieden, sondern zwischen Pico- oder Nano-Laser. Wie ein Laser-Impuls generiert wird, spielt dabei erstmal keine Rolle. Hier kann man separat zwischen Q-switch oder Modenkopplung unterscheiden. Aber es gibt eben auch Pico-Laser die mit Q-switch (Güteschaltung) arbeiten.

Nd:YAG Laser (1064 nm & 532 nm), Q-switched oder modengekoppelt

Der Neodym-dotierte Yttrium-Aluminium-Granatkristall Laser ist das heute am häufigsten eingesetzte gepulste Festkörper-Lasersystem zur Tattooentfernung. Sowohl die Nano- als auch die neuere Pikosekunden-Variante.

  • 1064 nm, infrarote Wellenlänge, ideal für schwarze Pigmente und Tätowierfarben mit hohem Schwarzanteil. Sie dringt tief in die Haut ein und ist für alle Hauttypen (nach Fitzpatrick I–VI) geeignet.
  • 532 nm, grüne Wellenlänge (frequenzverdoppelt), ist für rote, orange, gelbe und braune Pigmente geeignet.

Den Nd:YAG Laser gibt es auch als Langpuls-Variante (nicht für Tattooentfernung) und ist in vielen spezialisierten Laser-Praxen das vielseitigste System. Er bildet auch oft die Grundlage einer Laserausstattung und hat seinen älteren Vorgänger, den Rubin-Laser bei der dermatologischen Tattooentfernung längst den Rang abgelaufen.

Aber bitte Vorsicht: Hier gibt es wirklich billigste Bauweisen mit Baukomponenten für ein paar wenige Euros, die immer noch in den internationalen Markt gekippt werden. Diese Laser haben nichts mit professioneller medizinischer Lasertechnik zu tun.

Alexandrit Laser (755 nm)

Der Alexandrit-Laser ist vielen schon als Haarentfernungs-Laser bekannt. Die Q-switched Nano-Variante hat sich meist in Kombi-Nd:YAG-Geräten bei der Tattooentfernung bewährt. Als neuere modengekoppelte Pico-Variante ist der Pico-Alexandrit-Laser vor über 10 Jahren der Innovator der dermatologischen Tattooentfernung gewesen.

  • 755 nm, dunkelrote Wellenlänge, ist nützlich für schwarze, violette, blaue, grüne und braune Pigmentfarben

Er ist allerdings weniger gut geeignet (oder eingeschränkt nutzbar) für dunklere Hauttypen (ab Hauttyp III nach Fitzpatrick), da seine Laserlicht-Wellenlänge stärker vom Melanin der Haut absorbiert wird. Dies kann bei falscher Handhabe das Risiko von Hyper-, Hypo- bis hin zu De-Pigmentierungen erhöhen und/ oder zu sogenannten Ghost-Tattoos führen.

Rubin Laser (694 nm)

Der Rubin-Laser ist das erste und das ältesten Lasersystem in der Medizin. Wie sein Name rasch schliessen lässt, arbeitet er mit rotem Laserlicht und ist dank James Bond Goldfinger, Star Wars Blaster und Co. weltberühmt. Als gepulstes Q-switched Nano-Lasersystem dient er auch heute noch in vielen dermatologischen Praxen und ist für viele Indikationen auch fernab der Tattooentfernung geeignet.

  • 694 nm, rote Wellenlänge, ist nützlich für schwarze, blaue, grüne und braune Pigmentfarben

Ähnlich wie die anderen beiden vorherigen kurzen Laserlicht-Wellenlängen 532nm und 755nm, ist der Rubin-Laser bei dunkleren Hauttypen aber auch mit Vorsicht einzusetzen. Rote Laserlicht-Wellenlängen lieben braun und somit auch das Melanin. Dass der Rubin-Laser bei der Tattooentfernung heute eher seltener eingesetzt wird und es ihn nicht in einer Pico-Variante gibt, mag u.a. daran liegen, dass die Wellenlänge vom Pico-Alexandrit ja ebenfalls rot ist. Ansonsten ist er in erfahrenen Händen weiterhin ein wertvolles Werkzeug.

Alle anderen Laser-Varianten zur Tattooentfernung und hier nicht aufgeführten Laserlicht-Wellenlängen, die gerne mit einfachem Aufsatz oder separaten Laser-DYE-Handstück beworben werden, lassen wir hier guten Gewissens aus unserer Liste raus.

PigmentfarbeLasersysteme
Schwarzalle – am besten Nd:YAG 1064nm (Pico)
BlauNd:YAG, Alexandrit (Pico)
Rot/ Orange/ GelbNd:YAG 532nm
BraunNd:YAG 532nm, Alexandrit, Rubin
Grün/ TürkisAlexandrit, Rubin
ViolettNd:YAG 1064nm (Pico)
WeißNd:YAG 1064nm (Pico)
Permanent Make-upsehr individuell – Nd:YAG 1064/532nm

⚠️ Hinweis: Diese Tabelle dient als sehr grobe Orientierung. Etwas ausführlichere Informationen finden Sie dazu in unserem Blog-Beitrag: Welche Tattoofarben lassen sich mit welchem Laser am besten entfernen?

Permanent Make-up (PMU) ist ein echter Sonderfall und zählt in der Lasertherapie zur Königsklasse der Tattooentfernung. Ja, PMU ist nichts anderes als eine Tätowierung. Die Haut wird mechanisch geöffnet, um Farbmittel (Pigment) rein zu geben. Egal ob Lippen, Augenlid oder Augenbrauen-PMU. Alles erfordert hier besondere Aufmerksamkeit.

Hintergrund ist vor allen Dingen die meist komplexe Mixtur aus verschiedensten Pigment-Farben und Arten, die man am sogenannten Color-Index (C.I.) ablesen kann. Braune PMU-Ink ist nicht logischer Weise aus braunem Pigment hergestellt, sondern kann aus Rot, Grün und Schwarz oder zig anderen Pigment-Kombinationen gemischt worden sein. Ein dunkles Lippen-Rot hat oft als Beispiel Carbon Black (Pigment-schwarz) inne. Und wenn das Dunkelrot dann noch etwas ins Orangene, Gelbe oder Blaue nuancieren soll, damit es besser zum Hautton oder der Lieblingsjacke passt, wird vielleicht deutlich, wie komplex die Entfernung solcher PMU-Pigmentmischungen sein kann.

Bestimmte Pigmente, vor allem solche auf Metalloxid-Basis (anorganische Pigmente, die häufig in braunen und schwarzen erdigen dunklen Farbmischungen Verwendung finden), können unter Laserlichteinwirkung zudem oxidieren und sich vorübergehend verdunkeln oder ganz andere Farben annehmen. Genannt wird es im Fachjargon gerne „Paradoxical Darkening“, wobei da gar nix paradoxical ist, sondern die klassische Chemie kommt zum tragen und das ist selten ein Phänomen. Eisen rostet und kann gerne braun/orange werden.

Das bedeutet nicht, dass eine PMU-Entfernung unmöglich ist aber sie erfordert einen Spezialisten mit Erfahrung in zughöriger Laserbehandlung, Kenntnissen über Pigmentologie und eine sorgfältige Recherche mit Probebehandlung und schrittweisem sanfteren Vorgehen.

Der entscheidende Faktor ist, dass nicht primär (aber auch) das Lasersystem zählt, sondern der Laser-Spezialist, der seinen Laser mit Bedacht und Know-how bedient.

Die korrekte Einstellung von Laser-Spotgrößen, geeigneter Energiedichte (J/cm2), die Anpassung der Parameter an Ihren individuellen Hauttyp/-farbe und Ihr vorliegendes Tattoo oder PMU erfordern jahrelange Erfahrung. Hier zählt in der Praxis weniger das Lasersystem als das Know-how über die Anwendung dessen.

Ein einzelnes und auch sehr gutes Lasersystem kann nicht alle Tätowierfarben gleich optimal behandeln. Das „Schweizer Taschenmesser“ unter den Lasern zur Tattooentfernung gibt es noch nicht. Auch wenn immer viel versprochen wird. Praxen mit mehreren Lasersystemen und verschiedenen Wellenlängen können individueller auf Ihre Tätowierung oder Permanent Make-up eingehen und bei Bedarf Systeme zur Behandlung kombinieren.

Vor allen Dingen bei mehrfarbigen Tattoos und bei Permanent Make-up ist eine Probebehandlung an einer unauffälligen Stelle fast schon Pflicht und nicht nur eine Option. Sie zeigt, wie Sie selbst und Ihre in der Haut eingelagerten Pigmente auf das gewählte Lasersystem reagieren, bevor die eigentliche Behandlung zur Tattooentfernung beginnt.

Stellen Sie bei Ihrem Beratungsgespräch mit Ihrem Laser-Arzt gerne konkrete Fragen:

> Welche Lasersysteme haben Sie im Einsatz?

> Welche Laser-Wellenlängen stehen zur Verfügung?

> Haben Sie Erfahrung mit meinen spezifischen Tätowierfarben?

> Führen Sie vor der ersten Laserbehandlung eine Probebehandlung durch?

> Wer führt die Laserbehandlung durch? Ein Arzt oder medizinisches Fachpersonal?

Ein erfahrener Laserologe wird diese Fragen nicht nur beantworten, sondern begrüßen. Denn sie zeigen, dass Sie informiert in die Behandlung gehen und sich abseits von Werbung und Marketing auf Augenhöhe austauschen möchten.

Ein paar Antworten über die Lasersystem-Frage hier hinaus, haben wir für Sie in unseren FAQs formuliert >>

Es gibt kein universell „bestes“ Lasersystem für die Tattooentfernung. Es gibt das richtige System für Ihre Tätowierung oder Permanent Make-up aber vor allen Dingen den richtigen Laser-Doc, der es bedient.

Nicht jeder Laser auf dem Markt enthält oder leistet, was versprochen wird. Pico-Laser ist zudem nicht gleich Pico-Laser oder überhaupt ein Pico-Laser. Das herauszufinden ist wirklich schwierig aber Google Lens und Co. sind hier wirklich schon gute Detektive.

Pikosekunden-Laser sind leistungsfähig und vielseitig. Aber sie sind nicht immer Allheilmittel. Nano-Laser sind bewährt und in erfahrenen Händen seit Jahrzehnten hocheffektiv. Es kann leider etwas mehr zwicken aber dagegen gibt es Mittel und Wege. Dafür sind die Lasersitzungen oftmals spürbar günstiger. Entscheidend ist, dass das eingesetzte Lasersystem zu Ihren Pigmentfarben und Ihrem Hauttyp passt und dass Ihr Lasertherapeut weiß, was sie oder er tut.

Lassen Sie sich nicht von Werbeversprechen leiten. Lassen Sie sich ausführlich beraten. Auch gerne zwei Mal von unterschiedlichen Laser-Praxen. Und von einem Laser-Spezialisten, der Ihnen erklärt, warum sie oder er welches System für Sie und Ihre Tätowierung empfiehlt.

Dieser Artikel wurde von DocTattooentfernung redaktionell erstellt und wurde von unserem Medical & Technical Advisory Board auf fachliche Korrektheit geprüft.

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