Das TAGU-Syndrom > Tattoo-assoziierte Granulome mit Uveitis

Das TAGU-Syndrom > Tattoo-assoziierte Granulome mit Uveitis

Das TAGU-Syndrom klingt erstmal lustig nach einem samstäglichen Kaufrausch-Anfall im Euro-Billig-Markt. Ist es aber leider nicht. Die Abkürzung beschreibt Tattoo-assoziierte Granulome mit Uveitis, was eine sehr seltene entzündliche Reaktion ist, die nach dem Stechen einer Tätowierung auftreten kann. Das Akronym TAGU1 wurde 2018 von PD Dr. Nicolas Kluger vorgeschlagen.

Diese Erkrankung wurde erstmals von Lubeck & Epstein schon 1952 beschrieben und zeigt sich typischerweise durch granulomatöse (knötchen- oder körnchenförmige) Hautveränderungen in Tattoo-Arealen. Der Begriff Granulom deckt dabei allerdings gleich mehrere unterschiedliche Formen dieses Krankheitsbildes ab und sollte genauer spezifiziert werden.

Es entsteht meist als Reaktion auf einen chronischen Entzündungsreiz, wenn die Makrophagen einen Fremdkörper (z.B. Tattoo-Pigment) oder Krankheitserreger in einem bestimmten Körperbereich nicht oder nur schlecht abbauen können.

Zudem kann dies mit einer Uveitis, einer Entzündung der Uvea (mittleren Augenhaut) einhergehen. Man ist also nicht nur bunt verziert und es juckt und schmerzt, sondern man sieht eventuell auch noch schlecht.

Bemerkenswert ist, dass solche Reaktionen manchmal auch als Hinweis auf eine systemische Sarkoidose, eine Entzündung die den ganzen Körper betrifft, dienen kann. Eine seltene, multi-systemische, granulomatöse Erkrankung oft unbekannter Ursache.

Die genaue Ursache des TAGU-Syndroms ist bislang nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Bestandteile der Tätowierfarbe, insbesondere Schwermetalle oder andere Fremdstoffe, eine immunologische Reaktion auslösen, die zur Bildung von Granulomen führt.

Diese Granulome sind Ansammlungen von Entzündungszellen, die versuchen Fremdstoffe einzukapseln und unschädlich zu machen. Typischerweise treten diese Veränderungen innerhalb weniger Monate nach dem Tätowieren auf, können jedoch auch erst Jahre später erkennbar werden.

Patienten berichten häufig über Hautveränderungen im Bereich ihrer Tätowierung, die als papulo-noduläre granulomatöse Reaktion in meist schwarzen und blauen Tattoos beobachtet wird. Das Tattoo schlägt also bildlich gesprochen kleine Beulen unter der Farbdecke.

Diese sind oft erhaben, gerötet und können jucken und/oder schmerzen. In einigen Fällen kommt es zu einer flächigen sarkoiden Infiltration (einsickern) im Tattoo-Areal, bei der größere Hautareale betroffen sind und sich eine diffuse Rötung sowie Schwellung zeigt.

Als wäre das nicht genug, kann parallel dazu auch noch eine, wie oben beschriebene Uveitis auftreten, die sich durch Symptome wie Augenrötung, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und Sehstörungen äußert.

Die Diagnose des TAGU-Syndroms erfordert vor allem eine sorgfältige Anamnese und klinische Untersuchung durch einen Arzt.

Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Ursachen von Haut- und Augenentzündungen.

Eine Biopsie (Hautstanze eines Millimeterbreiches) aus dem betroffenen Tattoo-Areal zeigt typischerweise epitheloidzellige Granulome ohne (trockene, gelbliche, bröckelige) Verkäsung , was auf eine granulomatöse Entzündungsreaktion hinweist.

Diese Granulome enthalten häufig phagozytiertes (von den Zellen eingestülpte) Pigmente der Tätowierfarbe. Laboruntersuchungen können dabei erhöhte Entzündungsmarker zeigen, die Hinweise auf eine systemische Beteiligung geben können.

Bildgebende Verfahren, wie Röntgenaufnahmen oder CT-Scans der Brustregion, dienen dem Ausschluss oder Nachweis einer pulmonalen Sarkoidose, die also die Lunge (lat.: Pulmo = Lunge) beträfe.

Die Behandlung des TAGU-Syndroms richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome und der Beteiligung anderer Organe.

Bei milden Hautveränderungen kann eine lokale Therapie mit topischen (lokal; äußerlich) Kortikosteroiden (Steroidhormone) ausreichend sein.

Bei ausgeprägteren Hautläsionen oder bei Beteiligung der Augen ist eine systemische Therapie erforderlich. Hierbei werden häufig orale Kortikosteroide eingesetzt, die die Entzündungsreaktion unterdrücken.

In Fällen, in denen Kortikosteroide nicht ausreichend wirksam sind oder Nebenwirkungen verursachen, können zusätzliche Immunsuppressiva eingesetzt werden.

Der Verlauf des TAGU-Syndroms ist dabei oft variabel. Während einige Patienten gut auf ihre Therapien ansprechen und eine vollständige Remission (vorübergehend oder dauerhaftes Nachlassen von Krankheitssymptomen) erreichen, können bei anderen chronische Verläufe mit wiederkehrenden Schüben auftreten.

Es ist wichtig, Patienten engmaschig zu überwachen, um frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.

Ein bedeutsamer Aspekt des TAGU-Syndroms ist die mögliche Assoziation mit einer systemischen Sarkoidose.

Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Tattoo-Granulomen ein erhöhtes Risiko für eine systemische Sarkoidose haben können.

Daher sollte bei Auftreten von granulomatösen Veränderungen in Tätowierungen stets eine umfassende diagnostische Abklärung erfolgen, um eine systemische Beteiligung auszuschließen oder zu bestätigen.

Dies umfasst neben der bereits erwähnten Bildgebung auch eine ausführliche klinische Untersuchung und gegebenenfalls weitere Laboruntersuchungen.

Was sicherlich nicht hilft, ist, nur seinen Tätowierer drauf gucken zu lassen und seine Tattoo-Pflegeprodukte zu wechseln. Das TAGU-Syndrom hat ernsthafte gesundheitliche und somit medizinische Auswirkungen!

Da die genaue Ursache des TAGU-Syndroms nicht vollständig verstanden ist, gibt es leider noch keine spezifischen Präventionsmaßnahmen.

Dennoch sollten Personen, die sich tätowieren lassen möchten, einige Vorsichtsmaßnahmen beachten:

  1. Wahl des Tattoo-Studios: Es ist wichtig, ein seriöses und hygienisch einwandfreies Tattoo-Studio auszuwählen, das den geltenden Hygiene-, Sicherheits- und Gesundheitsstandards entspricht.
  2. Information über verwendete Tätowierfarben: Einige Tattoofarben können potenziell allergene oder toxische Substanzen enthalten. Es ist ratsam, sich über die Inhaltsstoffe der verwendeten Farben zu informieren und gegebenenfalls allergologische Tests durchführen zu lassen. Nur weil eine Tätowierfarbe als REACH-konform gekennzeichnet ist, heisst das nicht automatisch, dass sie vor dem TAGU-Syndrom schützt.
  3. Aufklärung über Risiken: Ein ausführliches Beratungsgespräch vor dem Tätowieren sollte nicht nur ästhetische Aspekte, sondern auch solche möglichen (wenn auch eher seltenen) gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen thematisieren.
  4. Beobachtung nach dem Tätowieren: Nach dem Stechen des Tattoos sollten Veränderungen der Haut genau beobachtet werden. Bei Auffälligkeiten wie Rötung, Schwellung oder Knötchenbildung ist eine frühzeitige dermatologische Abklärung empfehlenswert.

WICHTIG: Wir haben es an dieser Stelle mit Absicht vermieden Fotomaterial zum Krankheitsbild zu liefern, um möglicher Weise fehlerhaft vergleichende Selbstdiagnosen stellen zu können. Bitte geht mit Eurer Tattoo-Reaktion zum Arzt und Dermatologen. Nur hier kann eine gewissenhafte medizinsche Diagnose gestellt und Behandlungstherapie vorgenommen werden.

Das TAGU-Syndrom ist eine seltene, aber ernstzunehmende entzündliche Tattoo-Komplikation, die sich nach dem Stechen manifestieren kann.

Es zeichnet sich durch granulomatöse Hautveränderungen im Tattoo-Areal aus und kann mit einer Uveitis einhergehen. In einigen Fällen deutet es auf eine systemische Sarkoidose hin, weshalb eine umfassende medizinisch-diagnostische Abklärung essenziell ist.

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome und wird vom Arzt verschrieben. Da der Verlauf individuell unterschiedlich ist, ist eine engmaschige Betreuung durch Dermatologen und Augenärzte (bei der Uveitis) wichtig.

Wer sich für eine Tätowierung entscheidet, sollte sich der möglichen Risiken bewusst sein und auf hochwertige Tätowierfarben sowie hygienische Standards achten. Wir können und dürfen hier keine Diagnosen oder Heilversprechen geben und liefern zum Thema TAGU-Syndrom auch nur nicht-vollumfängliche Anhaltspunkte.

Eine frühzeitige ärztliche Abklärung bei ungewöhnlichen Hautveränderungen kann helfen, schwerwiegendere Komplikationen zu vermeiden.

Darüber bitte auch mal nachdenken, wenn man vorhat sich sein DIY-Tattoo zu Hause mit einem Tattoo-Starter-Kit und Farben aus unbekanntem Land ohne wirkliche Ahnung stechen zu wollen!

Eine super Quelle, um tiefer in das TAGU-Thema eintauchen zu können, ist natürlich u.a. die Altmeyers-Enzyklopädie. Hier findet man auch erstklassige weitere Quellen und zudem wurde der Artikel auch gerade erst Anfang des Jahres überarbeitet.

Mehr dazu unter: https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/tagu-158076

  1. Kluger N. Tattoo-associated uveitis with or without systemic sarcoidosis: a comparative review of the literature. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018 Nov;32(11):1852-1861. doi: 10.1111/jdv.15070. Epub 2018 May 29. PMID: 29763518. ↩︎

Foto oben: Symbolbild

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