Tattoo und Krebs: Was die Tattoo-Forschung bis heute tatsächlich belegt

Tattoo und Krebs: Was die Tattoo-Forschung bis heute tatsächlich belegt

Kaum ein Thema rund um Tattoo und Krebs wird medial aktuell so emotional diskutiert wie das angebliche Risiko durch Tätowierfarben. Seit fast zwei Jahrzehnten erscheinen regelmäßig Schlagzeilen, die Pigmente in und unter der Haut mit Krebserkrankungen in Verbindung bringen möchten. Trotz intensiver Tattoo-Forschung, zahlreicher toxikologischer Untersuchungen und internationaler Fach-Kongresse bleibt die wissenschaftliche Faktenlage jedoch bemerkenswert eindeutig! Bis heute (2026) existiert kein nachgewiesener kausaler Zusammenhang zwischen Tätowierfarben und der Entstehung von Krebs beim Menschen.

Diese Aussage ist keine Verharmlosung unsererseits, weil wir die Tattoo-Branche und ihre gestichelten Hautverzierung lieben, schätzen und mit ihr leiden, sondern das Ergebnis einer mittlerweile recht umfangreichen internationalen Studienlage.

Schriftlich festgehalten wird das Thema Tattoo-Forschung bei PubMed übrigens schon seit 1859 auf Grundlage einer Arbeit vom Wiener Medizinprofessor Franz Schuh zum Thema Lippen-Tätowierung nach Lippenkorrektur . Seit dem Jahrtausendwechsel dazu regelmäßig – gefühlt monatlich – auf wissenschaftlichen Fachkongressen diskutiert.

Immer wieder lautet die mediale Botschaft „Tattoos machen Krebs“. Dies gilt besonders, wenn mal wieder eine neue Studie erscheint.

Tatsächlich zeigen die großen nationalen sowie internationalen Übersichtsarbeiten und Registerauswertungen, dass es zwar vereinzelt Berichte von Tumoren in tätowierten Hautarealen gibt, diese aber im Verhältnis zur riesigen weltweiten Zahl tätowierter Menschen extrem selten sind.

Wenn man die Studien aufmerksam gelesen hätte, wäre aufgefallen, dass deren Verfasser deshalb gerne von einem „möglichen Risiko, das wissenschaftlich geprüft werden muss“ sprechen, nicht von einem bewiesenen Zusammenhang.

„Nur weil einer niest, fallen nicht gleich alle tot um.“ Relevant für die Bewertung von Tattoo-Studien und einem möglichem Krebs-Risiko ist im ersten Schritt immer die Unterscheidung zwischen toxikologischen Daten aus dem Labor anhand von Tierversuchen oder Zellkulturen, epidemiologischen Daten aus Bevölkerungsstudien und Registern und Einzelfallberichten, sogenannten Case Reports.

In Laborstudien können Zerfallsprodukte von Pigmenten durchaus DNA schädigend sein oder Zellen stressen. Das heißt aber zunächst nur, dass sie „potenziell problematisch“ sein könnten und nicht, dass sie „beim Menschen schon als Krebsursache bewiesen“ sind.

Große Bevölkerungsstudien, etwa zu Blutkrebserkrankungen, haben teils ein moderat erhöhtes Risiko für bestimmte Lymphome gefunden. Aber Störfaktoren wie Rauchen, UV-Exposition oder andere Lebensstil-Faktoren lassen sich nie perfekt herausrechnen. Es bleibt daher auch hier weiterhin unklar, ob wirklich die Tätowierung der entscheidende Risiko-Faktor ist.

In unserem Blog-Beiträgen zur CRABAT-Studie wird ganz gut erklärt, dass bislang kein explosionsartiger Anstieg von Hautkrebsfällen in tätowierten Hautarealen zu sehen ist. Weder bei Melanomen noch bei anderen Hautkrebs-Arten.

Selbst die dänische Zwillingsstudie, die tätowierte und nicht tätowierte Zwillinge über dänische Registerdaten vergleicht, findet keinen klaren, durchgehend signifikanten Krebsanstieg bei Tätowierten insgesamt.

Und gar die einzelnen Fallberichte zu „Krebs im Tattoo“ sind meist nicht eindeutig zuzuordnen, da sie einfach zu selten sind, gemessen an der Menge von Tätowierten weltweit.

Klares Zwischen-Fazit also: Trotz theoretischer toxikologischer Bedenken fehlen klinische und epidemiologische Beweise für eine karzinogene Wirkung von Tattoo-Pigmenten beim Menschen.

Ein nun schon seit 1887 immer wiederkehrendes Argument in Medienberichten ist der Nachweis von Tattoo-Pigmentpartikeln in regionalen Lymphknoten. Siehe Monsieur G. Variot und Monsieur Henry Morau und ihre Ersterwähnung in Bulletins de la Société d’anthropologie de Paris (Seiten 730-736).

Tattoo-Studien wie jene von Ines Schreiver et al. (2017, Scientific Reports), die im Rahmen der deutschen Tat_BioV-Forschung am Berliner BfR entstanden sind, konnten erstmals detailliert zeigen, was tatsächlich nach dem Tätowieren in Haut und Körper steckt.

Entscheidend bleibt hierbei jedoch immer die wissenschaftliche Einordnung. Der Nachweis von Tattoo-Partikeln ist kein Beweis für eine pathologische Wirkung. Vergleichbare Prozesse sind aus der Medizin gut bekannt. Etwa bei Impfstoffen, orthopädischen Implantaten oder Umweltpartikeln.

Bis heute konnte keine dieser Tattoo-Studien eine daraus resultierende Krebsentstehung belegen.

Ein wesentlicher Grund für die anhaltende Verunsicherung gerade zum Thema Tattoo und Krebs liegt in der Vermischung von Laborbefunden mit realen Gesundheitsrisiken. Zahlreiche Tattoo-Studien untersuchten einzelne Pigmente oder Tätowierfarbenbestandteile unter extremen Bedingungen, etwa in Zellkulturen, Labor-Mäusen oder nach thermischer oder licht-physikalischer Zersetzung.

Solche Arbeiten, unter anderem zu aromatischen Aminen oder polyzyklischen Kohlenwasserstoffen (PAK), zeigen theoretische Gefährdungspotenziale, erlauben jedoch keine direkte Aussage über das tatsächliche Krebs-Risiko einer Tätowierung beim Menschen.

In der Toxikologie ist diese Unterscheidung wirklich zentral. Eine Substanz kann unter bestimmten Bedingungen zwar als gefährlich eingestuft werden, ohne aber im realen Anwendungskontext ein relevantes Risiko darzustellen.

Genau diese Differenzierung geht in der öffentlichen Debatte leider viel zu oft und auf Grund von priorisierten Clicks & Likes verloren.

Die europäische Tattoo-REACH Verordnung wurde maßgeblich mit der Begründung eingeführt, Verbraucherinnen und Verbraucher vor krebserregenden oder anderweitig gesundheitsschädlichen Stoffen in Tätowierfarben zu schützen. Gute Sache eigentlich!

Faktisch basiert die Tattoo-REACH jedoch nicht auf dokumentierten Krankheitsfällen oder epidemiologischen Beweisen, sondern auf einem vorsorgeorientierten Gefahrenansatz.

Stoffe mit Verdacht auf Kanzerogenität oder andere Risiken sollen vorsorglich begrenzt oder verboten werden, auch wenn beim Menschen noch kein klarer epidemiologischer Zusammenhang gezeigt wurde. (hätte, könnte, würde)

Zahlreiche Pigmente wurden also verboten, obwohl sie über Jahrzehnte weltweit Verwendung fanden. Dies erfolgte ohne dass eine erhöhte Krebsrate oder systemische Erkrankungen nachgewiesen werden konnte.

Die Folgen waren massive Umstellungen in der Tattoo-Praxis, Lieferengpässe und der Einsatz neuer Farbersatzstoffe, deren Langzeitdaten teilweise deutlich schlechter dokumentiert sind als die der zuvor verwendeten Tattoo-Pigmente.

Bis heute existieren dazu keine klinischen Daten, die belegen, dass die Tattoo-REACH zu einer messbaren Verbesserung der Gesundheit tätowierter Menschen geführt hat oder hätte.

Verbraucherschutz im Konjunktiv II oder „wäre, wäre Fahrradkette, so ungefähr oder wie auch immer“, frei nach Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.

Eine zentrale Rolle in der sachlichen Einordnung spielt unsere European Society of Tattoo and Pigment Research (ESTP-Research). In dieser Fachgesellschaft arbeiten Dermatologen, Toxikologen, Chemiker, Epidemiologen, Pigmentologen und professionelle Tätowierer gemeinsam an einer evidenzbasierten Bewertung von Tätowierungen.

Die ESTP-Research steht ausdrücklich für einen wissenschaftlichen Ansatz, der Risiken weder dramatisiert noch ignoriert, sondern methodisch sauber bewertet.

Ihre Publikationen und Kongresse haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die internationale Fachwelt zunehmend von vereinfachenden Krebsnarrativen distanziert.

Beim alle zwei Jahre wiederkehrenden World Congress on Tattoo and Pigment Research 2025 (WCTP2025) in Rom präsentierten internationale Referentinnen und Referenten in über 50 Vorträgen den aktuellen Stand der Tattoo-Forschung.

Hier wird deutlich nüchterner diskutiert als in vielen Newspaper Headlines oder zugehörigen Postings. Welche Pigmente sind chemisch problematisch und welche Alternativen gibt es? Welche Hautreaktionen sieht man in der Praxis wirklich häufig (z.B. Allergien, Entzündungen) und welche eher selten (z.B. echte Krebs-Tumore in Tattoos)?

Hier wurde erneut deutlich, dass trotz immer präziserer Analysemethoden weiterhin kein Beleg für eine erhöhte Krebsinzidenz durch Tätowierfarben existiert. Tätowierte sind nicht aufgrund ihrer bunten Haut automatisch die Krebspatienten von morgen!

Diskutiert wurden unter anderem auch die Grenzen bisheriger Studien, die Notwendigkeit realistischer Expositionsmodelle und die Diskrepanz zwischen regulatorischen Entscheidungen und wissenschaftlicher Evidenz.

Die Botschaft der Tattoo-Fachwelt ist klar. Die öffentliche Debatte hat sich deutlich weiter von den tatsächlichen Forschungsergebnissen entfernt, als es der Wissensstand rechtfertigt.

Risiken heisst es weiterhin ernst zu nehmen, Daten zu verbessern, aber keine mediale Panik zu erzeugen. Und schon gar nicht die Tattoo-Trägerinnen und -Träger einfach zu stigmatisieren.

Zusammenfassend zeigt die internationale Studienlage bis 2026 ein konsistentes Bild. Tätowierfarben wurden intensiv untersucht, regulatorisch bewertet und wissenschaftlich diskutiert. Trotz dieser Anstrengungen existiert kein belastbarer Nachweis, dass Tätowierungen oder deren Pigmente Krebs verursachen.

Für Ärzte, Tätowierer und bunte Betroffene bedeutet das nicht, Forschung oder Regulierung abzulehnen, sondern sie evidenzbasiert, differenziert und ohne Angstnarrative zu führen.

Genau hier versuchen wir auch die Stärke von DocTattooentfernung zu legen. Komplexe Wissenschaft mit fachlicher Unterstützung verständlich einzuordnen, ohne sie zu vereinfachen und ein Risiko nicht mit Sicherheit zu verwechseln.

Die bisherigen Erkenntnisse geben Grund genug für Aufmerksamkeit und weitere Forschung. Aber sie sind kein Grund für pauschale Panik oder reißerische Verurteilungen.

Aber sucht derweil doch gerne mal nach redaktionellen Beiträgen zum WCTP2025, um zu verstehen was wir hier ausdrücken möchten.

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