Tattoo und Hepatitis, oder wann eine Tätowierungen wirklich riskant ist

Tattoo und Hepatitis, oder wann eine Tätowierungen wirklich riskant ist

Tätowierungen gehören heute für viele Menschen selbstverständlich zum eigenen Erscheinungsbild, wie Schnörres, Friese oder Klamotte. Gleichzeitig halten sich seit Jahren aber auch Sorgen über gesundheitliche Risiken und mögliche Tattoo-Komplikationen als Nebenwirkung der bunten Hautkunst. Insbesondere im Zusammenhang mit Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektionen hat Frankreich nun mal genauer drauf geschaut. Die große französische Bevölkerungsstudie CRABAT, die innerhalb der umfangreichen CONSTANCES-Gesundheitsstudie durchgeführt wird, liefert nun erstmals belastbare Zahlen und zeigt sehr klar, dass nicht das Tattoo an sich problematisch ist, sondern die Umstände, unter denen es gestochen wird.

Die aktuelle Analyse basiert auf der von uns schon mehrfach erwähnten Constances-Kohorte mit 77.826 Teilnehmenden und ist Teil der darin befindlichen CRABAT-Studie (Cancer Risk Associated with the Body Art of Tattooing), die sich gezielt mit gesundheitlichen Risiken von gestochener Körperkunst (Quelle: DocTattooentfernung) beschäftigt.

Damit handelt es sich um eine der bislang größten und methodisch saubersten Untersuchungen zum Thema Tattoo-Gesundheit.

Wer den im Februar 2026 im IJID-Journal der International Society of Infectious Diseases ISID (Bosten, USA) erschienen Artikel mal im Original lesen möchte, findet hier den Link mit Open-Access >>

Tätowierungspraktiken und das Risiko einer Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektion in der französischen Constances-Studie

Foerster M, Zins M, Goldberg M, Ribet C, Kab S, McCarty RD, McCormack V, Ezzedine K, Schüz J. Tattoo practices and risk of hepatitis B and hepatitis C infection in the French Constances study. Int J Infect Dis. 2026 Feb ; 163:108288. DOI: 10.1016/j.ijid.2025.108288. Epub 2025 Dec 10. PMID: 41386394; PMCID: PMC12830372.

Ein zentrales Ergebnis der Studie vom Forscher-Team um Dr. Dipl.-Psych. Milena Foerster ist medizinisch wie gesellschaftlich wirklich relevant.

Professionell gestochene Tätowierungen in professionellen und teil-/regulierten Tattoo-Studios sind nicht mit einem erhöhten Risiko für Hepatitis-B oder Hepatitis-C Infektionen verbunden.

Das Risiko steigt erst dann deutlich an, wenn Tätowierungen außerhalb von Studios oder in Ländern ohne klare Hygienevorgaben gestochen werden.

Besonders auffällig ist hierbei eben der Zusammenhang der oft symptomlosen aber gerne chronisch werdenden Leberentzündung, die durch das Hepatitis-C-Virus (HCV) verursacht wird.

Personen, die sich mindestens ein Tattoo außerhalb eines Studios stechen ließen, hatten laut Frankreich-Studie ein über vierfach erhöhtes Risiko für eine HCV-Infektion.

Wurden Tattoos zusätzlich in Ländern ohne etablierte Hygieneregeln gestochen (Franzosen, die sich Ihr Tattoo als Bsp. im Urlaub haben stechen lassen), stieg das Risiko sogar um das Acht- bis Neunfache an.

Diese Zahlen sorgen echt für Gänsehaut und unterstreichen, dass entscheidende sterile Arbeitsbedingungen und kontrollierte Hygiene-Standards kein zu belächelnder Mythos sind.

Ein Hepatitis-C-Virus (HCV) wird fast ausschließlich über Blutkontakte übertragen. Bereits kleinste Mengen kontaminierten Blutes reichen aus, um eine HC-Infektion auszulösen.

Beim Tätowieren entstehen zwangsläufig Mikroverletzungen in der Haut. Anders als die Haut mechanisch zu öffnen, um farbgebende Fremdstoffe einzubringen, funktioniert eine Tätowierung auch einfach nicht.

Werden Nadeln, Tätowierfarben oder Arbeitsflächen und Co. nicht konsequent steril gehandhabt, entsteht ein reales Übertragungsrisiko. Übrigens für beide Seiten – Tätowierer sowie Tattoo-Kunde.

Genau hier setzte schon 2020 und aus gutem Grund die DIN EN 17169 an. Diese Norm, die vom Verband Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT e.V.) zusammen mit dem Verband United European Tattoo Artist (UETA e. V.) dankenswerter Weise angestoßen wurde, vereinheitlichte dabei bereits existierende Standards europäischer Verbände und Regelungen einzelner Länder.

Die DIN 17169 legt unter anderem Anforderungen an die Räumlichkeiten, Reinigung und Desinfektion von Geräten und an den Tätowiervorgang selbst fest:

Die Forschenden um Dr. Milena Foerster schätzen, dass allein in Frankreich über 11.000 Hepatitis-C-Infektionen bei Menschen zwischen 45 und 75 Jahren auf unsichere Tätowierpraktiken zurückzuführen sind.

Die Hochrechnung der in unserer Studie ermittelten Prävalenzraten von HCV und unsicheren Tätowierpraktiken auf die französische Bevölkerung im Alter von 45 bis 75 Jahren ergab 11.592 HCV-Übertragungen, die auf Tätowierungen außerhalb von Studios zurückzuführen sind (Ergänzungstabelle 7). Die große Mehrheit dieser Fälle betraf die Altersgruppe von über 55 bis unter 65 Jahren.“ (Quelle: Dr. Milena Foerster et al.)

Damit zählt unsachgemäßes Tätowieren nach intravenösem Drogenkonsum zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren für Hepatitis C in der Bevölkerung

Besonders relevant ist dies, weil tätowierte Kunden und Patienten im medizinischen Alltag seltener gezielt auf Hepatitis getestet werden.

Viele Betroffene wissen über Jahre nichts von einer Infektion, da Hepatitis C lange symptomlos verläuft und erst spät zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen kann.

Aus unser Sicht ergibt sich eine klare Empfehlung. Wer Tattoos hat, die außerhalb professioneller Studios oder im Ausland unter unklaren hygienischen Bedingungen gestochen wurden, sollte eine ärztliche Abklärung in Betracht ziehen. Ein einfacher Bluttest schafft Sicherheit. (Quelle: DocTattooentfernung)

Tätowierung sind nicht frei von möglichen Nebenwirkungen und mit diversen Risiken behaftet, die bei der Entscheidung pro oder contra Tattoo berücksichtigt werden müssen.

Zu solchen möglichen Tattoo-Komplikationen zählt eben auch die Hepatitis-Infektion:

Tattoo-Komplikation Foto Copyright TobinC Getty Images canva for Doc Tattooentfernung 2024

Wer nun denkt, dass Laserbehandlungen zur Tattooentfernung selbst kein Infektionsrisiko darstellen, da man mit neuesten Lasersystemen ohne offene Wunden und unter streng kontrollierten Bedingungen arbeitet, der irrt.

Zum einen ist nicht längst jede Laser-Praxis mit eben solch neuesten und modernsten Lasersystemen ausgestattet und zum anderen sind erzeugte Punktblutungen und co. kein seltenes, wenn auch vermeidbares Behandlungs-Phänomen.

Entscheidend ist jedoch auch hier eine adäquate Praxis- und Anwendungs-Hygiene. Einweg-Handschuhe, Desinfektion, Fremd- und Eigenschutz haben mehr als gute Gründe.

Auch Ärzte kommen nicht steril auf die Welt, was man im ein oder anderen IG-Reel oder YT-Short denken könnte, wenn man nur mal die Gummihandschuhe sucht.

Die französische Constances/ CRABAT-Studie räumt mit pauschalen Ängsten auf und differenziert sehr deutlich zwischen sicheren und unsicheren Tattoo-Praktiken.

Tätowierungen sind kein generelles Gesundheitsproblem, solange sie unter professionellen, regulierten Bedingungen entstehen. Wenn auch stets mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. (Quelle: DocTattooentfernung)

Gleichzeitig zeigen die neuen Erkenntnisse aus der CRABAT-Studie, dass Aufklärung, Regulierung und ärztliche Sensibilisierung einen messbaren Beitrag zur Prävention schwerer Infektionskrankheiten leisten können.

Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Beliebtheit von Tattoos als auch Permanent Make-up ist dieses Wissen essenziell.

Für Tätowierte, Tätowierer und medizinische Fachkräfte gleichermaßen, wie für die ein oder andere drüber berichtende Presse. Daher vielen Dank an Frankreich an dieser Stelle!!

Sind Tattoos generell mit einem Hepatitis-Risiko verbunden?

Nein. Professionell gestochene Tattoos in regulierten und nach Hygienevorschriften arbeitenden Tattoo-Studios zeigen kein erhöhtes Risiko für Hepatitis B oder C.

Wann steigt das Risiko signifikant an?

Das Risiko steigt deutlich bei Tätowierungen außerhalb von Studios und in Ländern ohne etablierte Hygienevorschriften. Das sollten vor allen Dingen auch diejenigen berücksichtigen, die sich ihr Tattoo zu Hause und DIY stechen wollen.

Welche Hepatitisform ist besonders betroffen?

Vor allem Hepatitis C ist stark mit unsicheren Tätowier-Praktiken assoziiert. Nadeln zu teilen oder wieder zu verwenden ist dabei also nicht die schlaueste Idee.

Wie stark ist das Risiko bei unsachgemäßen Tattoos erhöht?

Bei Tattoo-Sessions außerhalb von Studios und ohne Regulierung kann das Risiko für Hepatitis C laut französischer CRABAT-Studie um das Acht- bis Neunfache steigen.

Was wird von Medizinern empfohlen?

Menschen mit unsicher gestochenen Tattoos sollten sich testen lassen, auch wenn keine Symptome bestehen.

Wenn Fragen zu Tattoos, Hautgesundheit oder einer ärztlich begleiteten Tattooentfernung bestehen, beraten wir gerne persönlich vorab. Wir weisen aber auch an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass ein persönliches Aufklärungs- und Beratungsgespräch, sowie die Beantwortung von medizinischen Fachfragen mit Ihrem Arzt/ Dermatologen Grundvoraussetzung vor sowie nach jeder Behandlung sind und die Informationen auf unserer Internetseite diese nicht ersetzen. Wir können weder Diagnosen stellen oder Heilversprechen, noch jegliche Art von Garantien zur Behandlung oder Linderung von Krankheiten geben.

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