Schnellere Tattooentfernung mit Pico-Laser und akustischer Stosswelle?

Schnellere Tattooentfernung mit Pico-Laser und akustischer Stosswelle?

Die Tattooentfernung zählt weiterhin zu den anspruchsvollsten Anwendungen in der gewerblich ästhetisch-kosmetischen Dermatologie. Trotz moderner Lasertechnologien bleibt der Behandlungsprozess für viele Laser-Kunden mit Schmerzen für Zeit, Geld und Geduld verbunden. Mal abgesehen davon, dass die Tattooentfernung auch ordentlich zeckt. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage zunehmend in den Fokus, ob eine schnellere Tattooentfernung mit Pico-Laser in Kombination mit akustischer Stosswelle effektiver ist? Eine klinische Studie von Juli 2025 von Dimitra Kiritsi et al. mit dem Titel „Bewertung der kombinierten Behandlung mit Pikosekunden-Laser und akustischer Stosswellen-Therapie zur Tattooentfernung: Eine prospektive randomisierte kontrollierte Studie“, veröffentlicht Dezember 2025 im JEADV Clinical Practice, untersucht erstmals systematisch, ob diese Kombinations-Therapie einen messbaren Vorteil gegenüber der alleinigen Laserbehandlung bietet.

Die Tattooentfernung mittels Laser basiert historisch auf dem Prinzip der selektiven Photothermolyse (Anderson & Parrish, 1983). Extrem kurze Laserimpulse fragmentieren dabei die in der Dermis eingelagerten Tattoo-Pigmente, sodass diese von Makrophagen aufgenommen und über das lymphatische System abtransportiert werden können.

Diese Beschreibung des Konzepts ist zwar historisch korrekt, bezieht sich aber auf den Wirkmechanismus klassischer Q-switched (gütegeschalteter) Laser mit Nano- oder sogar Millisekunden-Pulsdauern. Bei denen die emittierte und vom Pigment absorbierte Laserenergie zwar auch sehr kurz, wird aber überwiegend in Wärme umgesetzt.

Die daraus resultierende thermische Schädigung der Tattoo-Pigmentpartikel erfolgt selektiv. Jedenfalls solange Pulsdauer und Wellenlänge an die thermische Relaxationszeit des Ziel-Chromophors angepasst sind (Thermal-Relaxation-Time, TRT).

Mit Einführung moderner (Pikosekunden) Pico-Laser hat sich dieser dominante Wirkmechanismus jedoch grundlegend verschoben. Ihre ultrakurzen Pulsdauern liegen deutlich unterhalb der thermischen Relaxationszeit der Tattoo-Pigmente.

Dadurch ist eine relevante Wärmeausbreitung ins umliegende Gewebe kaum möglich. Stattdessen kommt es zu einer abrupten Energie-Deposition im Pigment, die über Druck und Akustik zur mechanischer Fragmentierung führt.

Die Wirkung von Pico-Lasern beruht daher primär auf photomechanischen und photoakustischen Effekten, nicht auf thermischer Koagulation. Darum spricht man bei Pico-Lasern auch von der Stress-Relaxation-Time (SRT) und Stress-Login (siehe dazu Kasai 2017).

Die Pigment-Zertrümmerung erfolgt hierbei überwiegend durch mechanische Destabilisierung, Kavitation und akustischer Stosswellenbildung (vom Laserlicht-Impuls), was die feinere Fragmentierung der Pigmente und die oft verbesserte Clearance-Rate (Aufhellung des Tattoos) erklärt. Thermische Effekte spielen allenfalls eine untergeordnete Rolle.

Unter Bedingungen sehr hoher lokaler Energiedichten, insbesondere bei stark fokussierten Pico-Laserstrahl-Profilen, können zusätzlich nichtlineare Effekte bis hin zur sogenannten Photoionisierung auftreten.

Dabei kommt es zur kurzzeitigen Plasmaentstehung durch Elektronenfreisetzung (der Laser-Anwender nimmt dies als eine Art Funkenschlag während der Laserbehandlung wahr), was die mechanische Zertrümmerung der Tattoo-Pigmentstruktur weiter verstärken kann.

Für die klinische Tattooentfernung stellt die Photoionisierung jedoch keinen primären Zielmechanismus dar, sondern einen möglichen begleitenden Effekt innerhalb des photomechanischen/akustischen Geschehens.

Vor diesem Hintergrund ist die pauschale Beschreibung der Laser-Tattooentfernung als selektive Photothermolyse mittlerweile physikalisch unpräzise.

Eine zeitgemäße und fachlich korrekte Einordnung muss eigentlich zwischen thermisch wirkenden NANO-Lasern und mechanisch-akustisch dominierten PICO-Lasern unterscheiden.

Vor allen Dingen bitte nicht nach Q-switched und Pico aufteilen. Nicht jeder Pico-Impuls wird via Moden-Kopplung generiert.

Ob nun alte Nano oder neueste Pico Laser-Technologie. Beide haben ihre eigene Art von Limitierung bei der Tattooentfernung und stoßen an physikalische und biologische Grenzen.

Nach fast jedem Laserimpuls und Treffer aufs Pigment entsteht ein sogenannter Whitening-Effekt. Ausgelöst durch Mikro-Dampfblasen und Gas-/Laser-Vakuolen, wobei die Epidermis von der darunter liegenden Dermis reisst.

Diese vorübergehenden weißen Kavitationsblasen reflektieren und streuen das Laser-Licht und reduzieren somit die Eindringtiefe nachfolgender Laser-Impulse und ihrer Energie.

Gleichzeitig ist auch noch der Abtransport der Pigmentfragmente stark von der lokalen Durchblutung, der Lymphdrainage und individuellen immunologischen Faktoren abhängig.

Genau an diesen Punkten setzt nun auch die Idee einer kombinierten akustischen Stosswellentherapie-Therapie an.

Die vorliegende prospektive, randomisierte kontrollierte Studie untersuchte 32 Probandinnen und Probanden, ausgestattet mit professionellen Blackwork Tattoos und Hauttypen I bis III (nach Fitzpartick).

In einem Split-Lesion-Design wurde jede Tätowierung in zwei vergleichbare Areale unterteilt. Eine Hälfte wurde nach auswürfeln ausschließlich mit einem Pico Nd:YAG Laser behandelt, während die andere Hälfte unmittelbar nach der Laserbehandlung zusätzlich eine radiale akustische Stosswellentherapie erhielt.

Insgesamt wurden 4 Sitzungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen durchgeführt. Die Bewertung der Behandlungsergebnisse erfolgte anhand standardisierter Fotografien durch zwei unabhängige Gutachter, die nicht wussten welche Hälfte auf welche Art und Weise behandelt wurde.

Zusätzlich wurden Schmerzempfinden, Nebenwirkungen und subjektive Zufriedenheit der teilnehmenden Laserkunden dokumentiert.

Wer den Beitrag und seine zugehörigen Fotos einiger Laser-Ergebnisse mal im Original im JEADV Clinical Practice, Volume 4, Ausgabe 5 von December 2025 sehen möchte, findet ihn in der Volltext-Version hier:

Evaluation of Combined Treatment With Picosecond Laser and Acoustic Shock Wave Therapy for Tattoo Removal: A Prospective Randomized Controlled Trial

Dimitra Kiritsi et al., Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Freiburg, Medizinische Fakultät, Deutschland. Erstveröffentlichung 21. Juli 2025
 DOI. 10.1002/jvc2.70042

Die Ergebnisse von final 26 von anfänglich 32 Laserkunden der Studie zeigen, dass die Kombination aus Pico Nd:YAG Laser und Stosswellentherapie zu einer signifikant stärkeren Aufhellung der behandelten Tattoo-Areale führte als die alleinige Lasertherapie.

Bereits nach 4 Laser-Sitzungen war das Fading auf Seiten der Kombinationstherapie deutlich ausgeprägter. Besonders relevant für die klinische Praxis schien zudem die Beobachtung, dass die Teilnehmenden über geringere Schmerzen während und nach der Behandlung berichteten.

Nebenwirkungen wie Blasenbildung, Narben oder Pigmentverschiebungen traten nicht häufiger auf als bei der klassischen Laserbehandlung.

Schwerwiegende Komplikationen wurden nicht beobachtet. Damit bestätigt die Freiburg-Studie nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch die Sicherheit des kombinierten Ansatzes unter den untersuchten Bedingungen.

Die ergänzende akustische Stosswellen-Therapie (Shock Wave Therapy, SAW) scheint mehrere Mechanismen gleichzeitig zu beeinflussen.

Zum einen können die akustischen Wellen die nach der Laserbestrahlung entstehenden Gas-Vakuolen mechanisch destabilisieren und damit den Whitening-Effekt schneller reduzieren.

Dadurch wird das Gewebe rascher wieder optisch durchlässig, was die Effektivität nachfolgender Laser-Impulse innerhalb derselben Sitzung verbessern kann.

Zum anderen ist aus anderen dermatologischen Anwendungsgebieten bekannt, dass Stosswellen die lokale Mikrozirkulation und den Lymphfluss stimulieren.

Diese Effekte könnten den Abtransport der fragmentierten Tattoo-Partikel beschleunigen und somit den zeitlichen Abstand bis zur sichtbaren Aufhellung verkürzen.

Zusätzlich werden regenerative Prozesse im Gewebe angeregt, was sich positiv auf den Heilungsverlauf und die Hautqualität auswirken kann.

So überzeugend die Ergebnisse nicht nur dieser Pico-SAW-Studie sind, sie markieren keinen endgültigen Paradigmenwechsel, sondern vielmehr einen weiteren Baustein in einem zunehmend multimodalen Behandlungskonzept.

Die untersuchte Patientenzahl ist noch sehr begrenzt, und Langzeitdaten über vollständige Tattooentfernungen nach mehr als 4 Sitzungen liegen bislang nicht vor.

Ebenso fehlen systematische Untersuchungen bei höheren Fitzpatrick-Hauttypen sowie anderen Tätowierfarben als schwarz (Carbon Black).

Vergleichbare Ergebnisse lieferte uns übrigens bereits Dr. Giuseppe Scarcella vom Dermo Laser Office in Verona/ Italien bei seinem Vortrag „Acoustic shock waves associated with lasers to accelerate tattoos removal procedures“ beim diesjährigen World Congress on Tattoo and Pigment Research WCTP im Mai in Rom.

Darüber hinaus existieren bereits andere Ansätze, um die Effizienz der Tattooentfernung zu steigern.

Mehrfache Laser-Durchgänge innerhalb einer Sitzung, etwa im Rahmen von R20-Protokollen & Co. und mit Perfluorodekalin-haltigen (PFD) Patches, zielen ebenfalls darauf ab, den Whitening-Effekt zu minimieren und die Gesamtzahl der Behandlungswiederholungen zu reduzieren.

Auch Kombinationen aus verschiedenen Lasertypen, hochfokussiertem Ultraschall oder die Ergänzung durch fraktionierte CO2-Laserbehandlungen werden in der Literatur diskutiert und teilweise erfolgreich eingesetzt.

Die Kombination aus Pikosekunden-Laser und akustischer Stosswellentherapie stellt derzeit einen der innovativsten Ansätze dar, um die Tattooentfernung effizienter und für Laser-Kunden angenehmer zu gestalten.

Sie bietet insbesondere dort Potenzial, wo klassische Laser- Behandlungsprotokolle an ihre Grenzen stoßen oder eine schnellere Aufhellung das Ziel ist.

Gleichzeitig sollte dieser Kombi-Ansatz nicht als universelle Lösung verstanden werden. Die optimale Strategie zur Tattooentfernung bleibt individuell und hängt von zahlreichen Faktoren ab.

Darunter die Pigmentologie, Alter, Tiefe und Pigmentdichte der Tätowierung, Hauttyp, Lokalisation und immunologische Voraussetzungen.

In diesem Kontext ist die Kombinationstherapie als sinnvolle Ergänzung innerhalb eines personalisierten, evidenzbasierten Behandlungskonzepts zu betrachten.

Die aktuelle Studie aus Freiburg als auch die aus Verona möchten überzeugende Hinweise darauf liefern, dass die Kombination von Pico Nd:YAG Lasern (1064nm) und Stosswellentherapie die Tattooentfernung beschleunigen und gleichzeitig die Schmerzbelastung reduzieren kann.

Sie erweitert auf jeden Fall das therapeutische Behandlungs- und Geräte-Spektrum für die Praxis, ersetzt jedoch nicht die sorgfältige individuelle Planung und Auswahl der geeigneten Lasertechnologie.

Für spezialisierte Derma-Praxen, Laser-Zentren und erfahrene Laser-Anwender scheint die Idee einen vielversprechenden nächsten Schritt auf dem Weg zu einer effizienteren, sicheren und ergebnisorientierteren Tattooentfernung darzustellen.

Für uns bleiben derweil einige Gedanken hängen, ob ein Objektträger für die Reduzierung der Cavitation-Bubbles und eine feine Lymphmassage nicht ähnliche Effekte auslösen.

Zudem gibt es keine Biopsien zum Spektakel und was macht die Stosswelle eigentlich genau mit dem Pigment oder auch nicht.

Kavitations-Blasen lassen sich gerade beim Pico-Laser vor allen Dingen verringern, wenn man niedrigere Energie-Parameter verwendet. Sie sind kein must-have, btw.!

Wie sieht es derweil mit der Idee aus, die Stosswellentherapie während des Heilungsprozesses zwischen den Laserbehandlungen fortzusetzen?

Und was ist eigentlich der genaue Grund, warum die Laser-Kunden nach ihren Stosswellen weniger Schmerz empfinden?

Warum ist die eine Hälfte des Tattoos eigentlich nur 1 Mal mit dem Pico-Laser behandelt worden? Im Vergleich zur gegenüberliegenden Seite, wo gleich 2 x Laser und 2 x je 2 Minuten Stosswellentherapie durchgeführt wurde!

Demgegenüber stünde jedenfalls die Pico-Laserbehandlung mit geringerer Energie, um Kavitations-Blasen zu reduzieren und eine R20 Double-Pass Behandlung durchzuführen.

Oder gar den nicht-invasiven Fractional-Modus des Pico-Lasers nach der Tattooentfernungs-Behandlung zu nutzen.

Weitere Forschung ist sicherlich notwendig. Ansonsten – interessante Sache!

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