Machen wir uns nichts vor: Eine Tätowierung bedeutet, fremde Substanzen absichtlich in den Körper einzubringen. Lasern wiederum bedeutet, diese Substanzen derart zu zerkleinern, dass sie einmal durch das Filterreinigungssystem des Körpers passen. Ob das der Gesundheit abträglich ist, lässt sich bisweilen schwer ermessen. Die gute Nachricht: Weder die Tätowierung, noch die Laserbehandlung alleine kann bis dato als alleiniger Urheber konkreter chronischer Erkrankungen identifiziert werden.

 

 

Der Blick auf die Zutaten der Farben lässt zumindest den Verdacht aufkommen, dass die körperfremden Stoffe, deren direkte Einnahme nachgewiesenermaßen negative Auswirkungen hätte, als Tinte in der Haut auch belastend wirken könnten. Ältere Semester mit Tätowierungen »aus der guten alten Zeit«, in der Gitarrensolos kein Ende finden wollten, tragen unter Umständen z.B. mehr Blei mit sich herum als andere Zeitgenossen. Eine Vergiftung mit Blei kann u.a. Nervenleiden zur Folge haben – konfuses Verhalten eingeschlossen. Blei wird leicht über Atmung und Haut aufgenommen, wie auch der Erfinder des Bleizusatzes Thomas Midgley in den 1920er am eigenen Leib erfahren durfte. Eine der ersten Produktionsstätten für Bleizusätze, die Standard Oil in New Jersey, erhielt bald den Spitznamen »Loony Gas Building« (loony bin = Klapsmühle), weil die Arbeiter sich dort zunehmend merkwürdig aufführten und schließlich schwer erkrankt ins Krankenhaus verbracht wurden. Schon 70 Jahre später (!) ist dann das Tetraethylblei als Antiklopfmittel aus dem Benzin verbannt worden. Die tägliche Dosis der alten Unbedenklichkeitsmarke von 5 µg/dl (Mikrogramm pro Deziliter), gilt nach gegenwärtiger Einschätzung der WHO nicht mehr. Doch letztlich – was bringt uns um? Alle Dinge sind Gift, lehrte Paracelsus, und alle Grenzwerte sind eine politische Entscheidung.

 

...allein die Gift-Dosis macht’s

Im Durchschnitt verfügt ein Mensch über ein Blutvolumen von 8 % seines Körpergewichts. Also ein 85-Kilo-Mann wird von etwa 6,8 l Blut durchströmt. Bei Frauen ist es weniger. Alter spielt auch eine Rolle. Bei einer in der Zivilisation kaum vermeidlichen Aufnahme von mindestens 100 µg Blei am Tag verteilt dieser 85-Kilo-Mann also knapp 1,5 µg täglich auf einen Zehntelliter seines Blutes – das sind 0,0015 mg. Was davon tatsächlich in Hirn, Leber, Nieren, Knochen und Zähnen gelangt ist, verweilt länger und bildet Depots. Um sich auf die Dauer chronisch zu vergiften, bedarf es wohl 1 mg Blei pro Tag. Das ist selbst mit einem sehr, sehr großen, zudem illegalerweise bleihaltigen Tattoo alleine nie zu schaffen. Fühlen Sie sich also leicht reizbar, verwirrt und abgeschlagen nach jahrzehntelangem Genuss Ihrer schwermetallhaltigen Berliner Balkon-Tomaten, drei Päckchen Roth-Händle ohne Filter täglich und ausgiebigen Tiffany-Lampen-Basteleien, könnte es auch am Blei liegen. Allerdings haben Sie dann auch noch andere Probleme...

 

Qualitätsbewusstsein ist gefragt

Dass Blei in Tätowierfarben nichts zu suchen hat, weiß jeder inländische professionelle Tätowierer und achtet dementsprechend auf die Qualität und Herkunft seiner Tinten. Doch was ist mit dem Tattoo-Künstler, der mehr in- als offiziell zusticht oder dem Freiluftstrandstudio, welches Sie während einer Auslandsreise besucht haben? Weiß der Tattoo-Farben-Laie um die Bestandteile von Tattoo-Pigmenten, wie Nickel, Zinnober, Cadmium, Chromoxid, Aluminium, Eisenoxid, Titandioxid, Zinkoxid oder Bariumsulfat usw.? Und kennt er die Vor- und möglichen Nachteile für den menschlichen Körper?

Wie Dr. Julie Verfurth (RediMedi Laser Skin Clinics, Portland, USA) schreibt, besteht als Beispiel in ihrem Land USA das Problem darin, dass das Rezept für Tinte so geheim gehalten werden darf, wie die Zutaten einer weltbekannten Koffein-Brause. Bloß, dass die Brausen unter das Lebensmittelrecht fallen, die Tinten jedoch in der Rubrik Kosmetik geführt werden. Aber keine Bange – auch bei professionellen US-amerikanischen Tattoo-Farben-Herstellern kann man hier und da Prüfzertifikate über verwendete Inhaltsstoffe einsehen. In Deutschland ist es etwas anders: Hier herrscht bis dato die Tätowiermittel-Verordnung (TätOV) und zeigt auf, welche Stoffe in Tattoo-Farben nicht enthalten sein dürfen (Negativ-Liste). Schon mal gut! Und an einer Positiv-Liste wird auf EU-Ebene hart gearbeitet.  

 

»...und was ist mit Sonnenlicht und Laser?«

Die Frage stellt sich im Zusammenhang von Licht und Pigment. Also neben dem Sonnenbad auch für das Entfernen der Farbpartikel per Laser. Dabei werden die einzelnen eingelagerten Tattoo-Pigmente zertrümmert und in kleinen Portionen über das Lymphsystem verarbeitet. Sie verlassen den Körper auf anderem Wege, als sie hineingelangt sind. Sie passieren verschiedene Stationen, und wir wissen nicht genau, wie diese Zwischenstationen auf den Besuch ihrer ungebetenen Gäste reagieren. Es fehlt an belastbaren und langzeitlichen Studien. Die bisherige Erfahrung lehrt freilich, dass Tätowierungen auf Licht reagieren können. Unter der direkten Sonneneinstrahlung beginnt der bunte Koi-Karpfen plötzlich zu jucken und nimmt echte Formen an, dank Schwellungen seiner roten Schuppen. Grundsätzlich gilt bei solchen Erscheinungen: individuelle körperliche Veranlagung, Lebensführung, bestehende Leiden spielen im Falle des Falles eben eine wichtige Zusatzrolle. Tätowierung und Laser belasten das Konto der individuellen Gesundheit – welchen Ausschlag das hat, hängt aber vom jeweiligen Kontostand ab. Das Bundesamt für Risikobewertung schätzte 2013 auf Basis der von Klügl, Hiller, Landthaler und Bäumler 2010 durchgeführten deutschlandweiten Internet-Umfrage (Incidence of health problems associated with tattooed skin: a nation-wide survey in German-speaking countries.), dass 3 % der tätowierten Menschen »systemische« Schäden davontrügen, die von den Stoffen in Tätowierfarben herrührten.

Bislang lässt sich nichts Genaues darüber aussagen, ob das Entfernen von Tattoos per Laser gesundheitliche Langzeitfolgen nach sich ziehen könnte. DocTattooentfernung ist u.a als Mitglied der European Society of Tattoo and Pigment Research zu diesem Thema im Dauerkontakt mit Dermatologen, Forschern und den Tattoo-Profis der Szene.

 

Unser Tipp an dieser Stelle: Think before you ink!! und wende Dich an professionelle Tattoo-Artists oder Laserologen.

 

Literatur:

  • Klügl I., Hiller K., Landthaler M., Bäumler, W. (2010) Incidence of health problems associated withtattooed skin: a nation-wide survey in German-speaking countries. Dermatology 221, 43-50.
  • Noelke, Wolfgang (2013): Bunte Gefahr unter der Haut. In: Deutschlandfunk, 04.06.2013.

 

 

TBS Dr. Strauss

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